Kündigen oder Kündigen lassen?

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florentina07
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#1

07.10.2014, 10:19

Ich habe im Moment ein großes Problem und weiß nicht genau, was ich machen soll.

In unserer Kanzlei arbeiten neben meinem Chef noch zwei weitere Anwälte. Mein Chef hat grundsätzlich keine eigene Meinung und rennt wegen jeder Entscheidung zu den anderen Anwälten. Alle drei haben sich jetzt zusammengesetzt und wollen ein ganz neues Konzept zur Arbeitsverbesserung in unser Sekretariat einführen. Was das genau heißt, wissen wir noch nicht. Es ist aber so, dass einer von den dreien uns ständig schikaniert. Wir sind vier Angestellte im Sekretariat. Meistens bin ich diejenige, die ständig wegen jedem noch so kleinen Mist ärger bekommt. Es können noch so banale Sachen sein. Ständig fällt das Wort Kündigung und Abmahnung. Eine habe ich schon bekommen, weil ich in einer Rechnung eine Position vergessen habe. Gestern war es zum Beispiel so, dass er mich zu sich reingerufen hat, weil er wieder was gesehen hat, was ihm nicht passte und er hat mich richtig angeschrien wie ein kleines Kind. Klar gibt es leider Kanzleien, in denen sowas zur Tagesordnung gehört, aber bei uns war das Arbeitsklima mal ganz anders. Chef selbst sagt nie wirklich was dazu, er hört nur auf das, was seine Kollegen sagen. Ich habe langsam wirklich keine Lust mehr, mich ständig wegen irgendwas schikanieren zu lassen. Wenn man Fehler macht, bekommt man Ärger, keine Frage, aber es muss doch nicht ständig nach Fehlern gesucht werden. Vor allem Dinge, die sonst immer in Ordnung waren.

Ich merke, dass die mich eigentlich hier nicht mehr haben wollen. Ich kann es mir nur leider nicht leisten selbst zu kündigen, ohne etwas neues zu haben. Ist es ratsam, darum zu bitten, dass ich gekündigt werde? Ich bin schon fleißig dabei, Bewerbungen zu schreiben, nur leider findet sich so schnell nichts neues. Ich möchte nur hier nicht mehr arbeiten. Ich fange Freitag Abend schon an zu überlegen, was Montag wieder für Theater auf mich zukommt. Ich gehe nur noch mit Magenschmerzen arbeiten.

Ich hoffe, irgendwer hat einen Rat, was ich machen könnte. :thx für Eure Antworten
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katuscha
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#2

07.10.2014, 10:23

Nach einer Kündigung würde ich nicht fragen.

Wenn es Dir aber gesundheitlich nicht so gut geht, dann solltest Du mal mit Deinem Hausarzt reden.
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BaumN
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#3

07.10.2014, 10:34

Sehe das genauso - ich würde auch nicht nach einer Kündigung fragen. Wenn Dir alles so sehr auf den Magen schlägt: Ab zum Arzt und erstmal mit dem reden, dass er Dich mal für eine Zeit krankschreibt, damit Du mal aus der Schusslinie bist und wieder neue Kräfte sammeln kannst.

Dann weiter Bewerbungen, Bewerbungen, Bewerbungen...

Wenn sie Dich nicht mehr haben wollen, dann sollen sie selbst auf die Idee kommen, Dich zu kündigen. Sonst riskierst Du ja eine Sperre beim Arbeitsamt. Und aus einer festen Anstellung heraus sucht es sich leichter nach einem neuen Job. Erst einmal arbeitslos erhöht sich der Druck, dass man unbedingt etwas finden muss, nur noch mehr.

Ich drück Dir die Daumen!
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Ernie
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#4

07.10.2014, 10:35

Wer ist denn der Herr Deines Arbeitsvertrages?
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samsara
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#5

07.10.2014, 11:17

weil er wieder was gesehen hat, was ihm nicht passte und er hat mich richtig angeschrien wie ein kleines Kind
Du bist 34 Jahre alt und lässt so mit Dir reden? Weshalb lässt Du Dir das gefallen? Jeder ist auf seinen Job angewiesen, aber sich so behandeln lassen?
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Muschel
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#6

07.10.2014, 11:35

Ich kann mich den Vorrednerinnen nur anschließen. Geh zum Arzt und lass dich erst Mal krankschreiben und such weiter nach einem neuen Job.
Irgendwann bekommst du sicher was.

Bei mir was es in der alten Kanzlei dasselbe. Ich habe ständig "Anschiss" bekommen, egal wer es war. Wenn etwas falsch war, war ich es sowieso immer. Hab mich da überhaupt nicht mehr wohlgefühlt und hab auch nebenbei nach was anderem gesucht und gebetet, dass die mich hoffentlich bald kündigen.

Gott seit Dank, haben die mich nach 10 Monaten gekündigt, war auch kurz davor es selber zu machen trotz Sperre. Nicht mal 3 Wochen später hatte ich ne neue Stelle in der ich mich pudelwohl fühle und das Arbeitsklima super ist.

Also lass den Kopf nicht hängen und such weiter und wehr dich wenn du zu Unrecht den Ärger abbekommst. :smile: :wink2
Der frühe Vogel fängt vielleicht den Wurm, aber die zweite Maus bekommt den Käse. (Denkt nochmal drüber nach.) ;-)
florentina07
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#7

07.10.2014, 11:50

Danke für die schnellen Antworten :thx Ihr macht mir wirklich Mut :smile:

Ich fühle mich hier wirklich nicht mehr wohl. Das Problem ist nur, ich bin alleinerziehend und somit nicht nur für mich alleine verantwortlich. Würde so gerne alles hinschmeißen und einfach gehen, aber finanziell ist das nicht möglich. Ich bewerbe mich schon auf alle möglichen Stellen. Zur Not gehe ich irgendwo putzen.
Gib nie etwas auf, an das du ständig denken musst!
Pitt
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#8

07.10.2014, 12:02

Es gibt keine Leibeigenschaft mehr und kein Recht für Arbeitgeber, Angestellte anzubrüllen. Das Arbeitsverhältnis sollte immer von gegenseitigem Respekt geprägt sein. Ich weiß, dass es schwer ist, in so einer Situation aufrecht zu bleiben und sich nicht durch jeden angeblich verursachten Fehler kleinreden zu lassen. Irgendwann zweifelt man dann ständig an sich selbst und prüft alles 3 x nach. Allen Menschen unterlaufen ab und zu Fehler und wegen einer grundsätzlich korrigierbaren Rechnung direkt eine Abmahnung zu erhalten, zeugt meiner Meinung nach von keinem guten Stil im Umgang mit den Mitarbeitern. Ich schließe mich den Vorrednern an, auch wenn das nur eine kleine Auszeit bedeuten kann. Du musst in jedem Fall Grenzen aufzeigen. Wenn der anfängt, Dich anzubrüllen, dann kann er sich aussuchen, ob Du entweder mit den Hinweis, in diesem Ton nicht mit Dir reden zu lassen, den Raum verlässt oder einen Zeugen (z. B. einen der anderen beiden RAe. oder eine Kollegin) zu dieser "Besprechung" hinzuziehst. Ich drücke Dir die Daumen, dass es bald mit einer neuen Stelle klappt!
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Kanzleihund
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#9

07.10.2014, 12:13

samsara hat geschrieben:
weil er wieder was gesehen hat, was ihm nicht passte und er hat mich richtig angeschrien wie ein kleines Kind
Weshalb lässt Du Dir das gefallen?
Bei mir war es irgendwann das Gefühl, überhaupt nix mehr zu taugen. Denn man wird durch ein derartiges Verhalten total in die Rechtfertigungsecke gezwängt. Schlecht da wieder rauszukommen.
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#10

07.10.2014, 15:36

Kanzleihund hat geschrieben:
samsara hat geschrieben:
weil er wieder was gesehen hat, was ihm nicht passte und er hat mich richtig angeschrien wie ein kleines Kind
Weshalb lässt Du Dir das gefallen?
Bei mir war es irgendwann das Gefühl, überhaupt nix mehr zu taugen. Denn man wird durch ein derartiges Verhalten total in die Rechtfertigungsecke gezwängt. Schlecht da wieder rauszukommen.
Danke, man hätte es besser gar nicht sagen können.

Ich wurde sogar angemotzt, dass ich mich für meine Fehler rechtfertige, aber ich wusste auch nicht, was ich sonst tun soll. Dann habe ich versucht, mich nicht mehr zu rechtfertigen, sondern bloß zu sagen "Das ist falsch und damit haben Sie auch Recht", woraufhin es dann hieß, warum ich es falsch gemacht habe und schon ist man wieder in der Rechtfertigungsecke...
"Um ein Kilo Körperfett abzubauen, muss man zehn Stunden joggen. Ich kann also ohne Proviant bis Novosibirsk laufen."
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