Ich schließe mich den Vorrednern an. Eine praxisbezogene Ausbildung, die dafür sorgt, dass der Azubi am Ende der Ausbildung in der Lage ist, sich notfalls auch als Einzelkämpfer durchzuschlagen, ist einer Ausbildung, die sich vorrangig nach dem Lehrplan richtet, vorzuziehen. Einige Lehrer hinken mit den Lehrplänen hinterher. Ich hatte z. B. das Problem, dass in der Berufsschule erst im 3. Lehrjahr das Notariat tiefergehend behandelt worden ist und meine Notariatsausbilderin im Büro sich standhaft weigerte, mir vorher auch nur irgendeine Arbeit zu übertragen. Selbst den Faßbender wollte sie mir nicht geben, weil das nix bringe, wenn das Thema Notariat noch nicht in der Schule unterrichtet worden sei. Meine Ausbilderin im Anwaltsbereich hat mich dagegen von Tag 1 an gefördert und gefordert und ich bin ihr bis heute sehr dankbar. Sie hat mir auch den Tipp gegeben, ZPO und BGB parat zu halten und die §§ mal nachzuschlagen, die mir auf dem Schreibtisch so unterkommen.
Für den Azubi im 3. Lehrjahr kann ich die das Seminar von Herrn Engler zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung empfehlen, da bekommt man eine Übersicht über die prüfungsrelevanten Themen und merkt im Laufe des Seminars, wo noch Lücken bestehen und andere Dinge werden noch mal aufgefrischt:
https://engler-fachschulungen.de/Online-Schulungen
Da stellt sich auch die Frage, ob der Azubi im 3. Lehrjahr nach der Ausbildung etwas anderes machen möchte und man sie "nur" prüfungsfit kriegen muss, damit zumindest ein Berufsabschluss drin ist. Wenn der Azubi danach einen anderen Weg einschlagen will, würde ich mich dort eher nach dem Lehrplan orientieren.
Ich finde auch Abwechslung bei der Arbeit wichtig. Einige Azubis machen auch heutzutage fast nur Post und Wiedervorlagen, kriegen dagegen ZV nie auf den Tisch. Meine Ausbilderin hatte nachmittags immer einen Zeitblock festgelegt, bis zu dem ich ihr meine Arbeiten des Tages vorgelegt habe und sie hat dann alles einmal durchgesehen, bevor es an die Chefs ging. So konnten wir beide unseren Arbeitstag gut planen.
Als Ausbildungsliteratur und beim Einstieg als Einzelkämpfer hat mir das Buch "Fachkunde für die Rechtsanwaltspraxis" geholfen.
Hier noch ein Link zu den bereits von paralegal6 erwähnten grünen Prüfungsvorbereitungsbücher. Die hatte ich mir vor meiner Prüfung auch zugelegt und fand sie gut:
https://www.beck-shop.de/jungbauer-dive ... t/39409045