Azubi unterstützen - Übungsaufgaben etc.

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Lauriel83
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#1

04.11.2025, 09:31

Hallo ihr Lieben,

normalerweise bin ich hier nur stille Mitleserin aber heute muss ich auch mal etwas fragen :wink1

Ich darf seit 1.11. unsere Azubis ausbilden. Ich freue mich sehr darüber aber.... ich habe keine Ahnung wie ich das machen soll.
In meiner Ausbildung lief ich nur neben her. Ich habe nichts erklärt bekommen und mir alles selbst angeeignet. Das will ich bei unseren Azubis auf jeden Fall vermeiden. Wir haben zwei Azubis eine im 1. und eine im 3. Lehrjahr. Die im 3. Lehrjahr hat sich fast schon aufgegeben. Ich will sie unterstützen, weiß aber nicht wie!

Habt ihr irgendwo nette Übungsaufgaben, Muster oder Ähnliches was ich denen beibringen kann. Oder Literatur - irgendwas.

Ich weiß überhaupt nicht, wie ich das Thema angehen soll. :angst

Den Rahmenplan der Kammer habe ich mir schon ausgedruckt.
Ich wollte mir auch von den Azubis regelmäßig die Schulsachen zeigen lassen damit ich mit denen den Stoff "nach/aufarbeiten" kann.

Kann ich noch etwas machen?

Ich will es auf jeden Fall besser machen! Vor allem will ich, dass die Azubi im 3. Lehrjahr motivierter ist und Spaß an unserem Beruf hat.
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Anahid
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#2

17.11.2025, 16:47

Sowas hab ich leider nicht. Ich kann Dir nur erklären, wie ich meine Azubis ausgebildet habe. Ich habe z.B. Mahnbescheidformulare ausgedruckt (am Computer ist das ja fast selbsterklärend) und Ihr eine Rechnung gegeben über die sie einen MB vorbereiten sollte. Und dann bin ich das mit ihr durchgegangen. Genauso auch Klagen, Vollstreckungen, Rechnungen, etc.. Damit kannst Du die im 3. Lehrjahr gut fordern und sie lernt auch viel. Dir muss nur klar sein, dass Dich das auch extrem viel Zeit kostet, das alles mit ihr durchzugehen.

Ich hab mit solchen Sachen auch schon im 1. Lehrjahr angefangen. Ich hab mich nie an den Ausbildungsplan gehalten, sondern meine Auszubildenden praxisnah ausgebildet. Aber die im 1. sollte auf jeden Fall schon einmal an Fristen, Wiedervorlagen usw. herangeführt werden. Einfache Schreiben / E-Mails oder so kann sie sicherlich auch vorbereiten. Ich weiß jetzt nicht wie es bei Euch ist: bei uns gibt es keinen mehr, der nach Diktat schreibt. Sollte das bei Euch noch der Fall sein, kannst Du mit leichteren (und vor allem nicht super eiligen Sachen) die Auszubildende auch damit beschäftigen.
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paralegal6
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#3

17.11.2025, 17:34

Ich hab diese grünen Bücher,( aber grad den Namen nicht). Ansonsten halt die Sachen, die in eurer Kanzlei anfallen. ZV zB kann Azubi im 3. Jahr schon machen. Den Rahmenplan den du hast ist auch gut. Europäisches MV zB kam bei uns nie vor, das haben wir dann nur kurz theoretisch besprochen. Sonst wie Ana
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mücki
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#4

18.11.2025, 08:22

Ich habe immer versucht, meine Azubis in die täglichen Abläufe zu integrieren. Das fängt beim Raussuchen der Akten für Wiedervorlagen und Termine an. Das ist natürlich auch immer davon abhängig, wie Ihr bei euch arbeitet. Da ich selbständiges Arbeiten bevorzuge, habe ich natürlich immer versucht, meine Azubis auch zu selbständigem Arbeiten zu motivieren. Ich habe z.B. Akten aus meinen eigenen Wiedervorlagen dem Azubi gegeben und mit Ihnen besprochen, um was es geht und wie die WV ggf. zu bearbeiten ist.

An den Rahmenplan habe ich mich, wie Ana, so gut wie nie gehalten, weil sich das einfach nicht mit dem Arbeitsalltag vereinbaren lässt. Wenn man z.B. in einer Kanzlei arbeitet, wo relativ wenig Mahnbescheide gemacht werden, dann mache ich das mit dem Azubi, wenn einer zu beantragen ist und nicht, wenn es der Rahmenplan vorschreibt. Solche Akten, wurden dann bei mir "Azubi-Akten", damit sie alles "von der Pieke auf" lernen.

Man muss ja auch immer bedenken, dass die Azubis nach Abschluss der Ausbildung ggf. in der Lage sein müssen, ein eigenes Sekretariat zu führen und das können Sie nur, wenn sie das auch praxisnah gelernt haben. Persönlich finde ich auch, dass nur so der Spaß an der Arbeit geweckt oder erhalten werden kann.

Mit der Azubine im dritten Lehrjahr würde ich einfach sprechen um mir einen Überblick zu verschaffen, was sie kann und wo ggf. Nachholbedarf besteht. So kann man auch sehen, wo ihre Interessen liegen.
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#5

19.11.2025, 13:52

Ich schließe mich den Vorrednern an. Eine praxisbezogene Ausbildung, die dafür sorgt, dass der Azubi am Ende der Ausbildung in der Lage ist, sich notfalls auch als Einzelkämpfer durchzuschlagen, ist einer Ausbildung, die sich vorrangig nach dem Lehrplan richtet, vorzuziehen. Einige Lehrer hinken mit den Lehrplänen hinterher. Ich hatte z. B. das Problem, dass in der Berufsschule erst im 3. Lehrjahr das Notariat tiefergehend behandelt worden ist und meine Notariatsausbilderin im Büro sich standhaft weigerte, mir vorher auch nur irgendeine Arbeit zu übertragen. Selbst den Faßbender wollte sie mir nicht geben, weil das nix bringe, wenn das Thema Notariat noch nicht in der Schule unterrichtet worden sei. Meine Ausbilderin im Anwaltsbereich hat mich dagegen von Tag 1 an gefördert und gefordert und ich bin ihr bis heute sehr dankbar. Sie hat mir auch den Tipp gegeben, ZPO und BGB parat zu halten und die §§ mal nachzuschlagen, die mir auf dem Schreibtisch so unterkommen.
Für den Azubi im 3. Lehrjahr kann ich die das Seminar von Herrn Engler zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung empfehlen, da bekommt man eine Übersicht über die prüfungsrelevanten Themen und merkt im Laufe des Seminars, wo noch Lücken bestehen und andere Dinge werden noch mal aufgefrischt:
https://engler-fachschulungen.de/Online-Schulungen
Da stellt sich auch die Frage, ob der Azubi im 3. Lehrjahr nach der Ausbildung etwas anderes machen möchte und man sie "nur" prüfungsfit kriegen muss, damit zumindest ein Berufsabschluss drin ist. Wenn der Azubi danach einen anderen Weg einschlagen will, würde ich mich dort eher nach dem Lehrplan orientieren.
Ich finde auch Abwechslung bei der Arbeit wichtig. Einige Azubis machen auch heutzutage fast nur Post und Wiedervorlagen, kriegen dagegen ZV nie auf den Tisch. Meine Ausbilderin hatte nachmittags immer einen Zeitblock festgelegt, bis zu dem ich ihr meine Arbeiten des Tages vorgelegt habe und sie hat dann alles einmal durchgesehen, bevor es an die Chefs ging. So konnten wir beide unseren Arbeitstag gut planen.
Als Ausbildungsliteratur und beim Einstieg als Einzelkämpfer hat mir das Buch "Fachkunde für die Rechtsanwaltspraxis" geholfen.
Hier noch ein Link zu den bereits von paralegal6 erwähnten grünen Prüfungsvorbereitungsbücher. Die hatte ich mir vor meiner Prüfung auch zugelegt und fand sie gut:
https://www.beck-shop.de/jungbauer-dive ... t/39409045
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#6

19.11.2025, 16:25

Das Thema Notariat fühl ich, war bei mir genauso, erst im 3. und dann erschlagen weils so viel war
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Pitt
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#7

19.11.2025, 16:54

Genau so. Am Ende der Ausbildung habe ich mir den Stoff dann alleine draufgeschafft. War ein wilder Ritt.
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#8

20.11.2025, 10:42

ich hatte verkürzt und durfte mir dann ein Jahr in 1/2 reinkloppen... holla die Waldfee. Notariat hatte ich seit der Ausbildung nicht mehr (zum Glück). Die Lernfelder @lauriel sind ja grob hier https://www.alles-fuer-renos.de/struktu ... gestellte/
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Sylvia1964
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#9

27.11.2025, 14:56

Hallo Lauriel,

ich schließe mich den Äußerungen zuvor an und befürworte eine praxisnahe Ausbildung. Immerhin muss der Alltag mit seinen unterschiedlichsten Aufgaben fristgerecht bewältigt werden.
Über die zuvor mitgeteilten Seminarempfehlungen hinaus kann ich noch eine weitere Empfehlung ergänzen. Ich gehe davon aus, dass Dein Tag gut angefüllt ist und Du dankbar für fertige Aufgaben bist.
Die gibt es.

Ich bin Mitglied im ReNo Verband und erhalt monatlich die Zeitschrift Renopraxis. In jeder Ausgabe gibt es ein Lernfeld aus den Ausbildungsjahren 1-3.
Im Internet sind die Lösungen veröffentlicht. Ich lese sie aus Interesse jeden Monat.

Darüber hinaus kannst Du den Auszubildenden anbieten, die jeweils in der Schule behandelten Themen mit ihnen ebenfalls zu besprechen, wenn Lücken geschlossen werden müssen.

https://www.alles-fuer-renos.de/loesungen-renopraxis/

Allzeit gute Nerven und motivierte Azubis.
Sylvia
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