Verhältnis Anwalt - Sekretariat

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BaumN
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#21

22.09.2014, 15:57

likema31 hat geschrieben: Allerdings gibt es andere Dinge, die mir so auffallen:

- den anderen beiden Kollegen wird - auf Anfrage natürlich - Kaffee gebracht, mir nicht
Sorry, wenn ich das hier so deutlich schreibe - aber mich nervt es tierisch, wenn ein RA den Weg zur Kaffeemaschine nicht allein findet. Die ReNos in den Kanzleien sitzen nicht rum, sondern arbeiten auch. Auch fachlich. Und sie werden schon ständig in ihren Gedankengängen - im Gegensatz zu den RAen - gestört durch Telefon, Mandanten, Chefs usw. usf. Sie sind keine Kellnerinnen. Einfach mal an einem Tag komplett im Sekretariat versuchen, eine nicht so ganz simple Akte zu bearbeiten und den ganzen anderen Sekretariatskram dazu. Dann merkt man als RA erstmal, wie nervenaufreibend so mancher Tag ist.
Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass man mal Kaffee durch die Kanzlei trägt - insbesondere wenn Mandanten da sind. Ich mache das bei meinem Chef auch jeden Morgen freiwillig, weil ich weiß, dass er sich darüber freut. Allerdings findet er tagsüber den Weg auch ganz allein, setzt sogar ab und an eine neue Kanne selbst an bzw. sagt wenigstens Bescheid, wenn die Kanne leer ist.
likema31 hat geschrieben: - überhaupt findet nur wenig Kommunikation zwischen dem Sekretariat und den RAen statt (auch zwischen Chef und Sekretärinnen). Ich kenne das so gar nicht, insbesondere nicht in kleinen Kanzleien. Es liegt auch nicht daran, dass hier alle alles können und wissen, denn die eine ReFa ist erst seit 3 Monaten hier.
Die Refa ist erst seit 3 Monaten da - wie lange ist sie schon Refa? Vielleicht bringt sie ja aus anderen Kanzleien ganz viel Erfahrung mit, die sie gern einbringen möchte? Vielleicht mal nachfragen.
likema31 hat geschrieben: - die Mittagspause wird stets getrennt verbracht. So 1x pro Woche essen ein Kollege und ich zusammen, das war's aber auch.
Das ist in vielen Kanzleien so. Wenn man das ändern möchte, könnte man ja mal was zum Mittag bestellen. Gibt ja haufenweise Lieferservice. Einfach mal fragen und vielleicht mit einer Einladung den Anfang machen. Wäre zumindest eine Möglichkeit.
likema31 hat geschrieben: - ich erfahre von "Gemeinschaftsaktivitäten" wie der Weihnachtsfeier als letzte
Vielleicht ändert sich das, wenn das Kommunikationsproblem insgesamt behoben ist.
likema31 hat geschrieben: - Mandanten werden nicht vorgestellt, obwohl man schon Sachen für sie bearbeitet hat
Hier weiß ich jetzt nicht, in welchem Zusammenhang das steht. Wenn Du für Mandanten eine Sache bearbeitest, kennst Du sie nicht? Gab es denn keine Besprechung? Danach braucht doch ein Mandant nicht mehr vorgestellt werden.
likema31 hat geschrieben: Wie ist das denn bei Euch so, insbesondere, wenn Ihr in kleineren Kanzleien arbeitet? Ist jedes Mitglied der Bürogemeinschaft vollwertig, auch wenn vielleicht nur ein RA das Gehalt der Sekretärin bezahlt? (so kenne ich das zumindest bisher)
Grundsätzlich kenne ich das auch so, denn es geht die Mitarbeiter nichts an, wie sich die RAe intern hinsichtlich der Kosten einigen. Das ist allein Sache der RAe. Aber natürlich gibt es in jeder Kanzlei den Lieblings-RA und den, den man weniger mag - wie eben überall, wo mehrere Menschen zusammenarbeiten.

Zwischen Dir und den ReFas gibt es immernoch ein mächtiges Kommunikationsproblem. Setz Dich mit ihnen zusammen - in einem freundlichen Gespräch. Und natürlich muss man an die ReFas bestimmte Anforderungen stellen. Aber ein wenig aufeinanderzugehen hat noch nie geschadet.
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likema31
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#22

22.09.2014, 16:01

Es gibt den Kanzleiinhaber, der die ReFas und einen weiteren Kollegen angestellt hat. Ich bin dort Anwältin in Bürogemeinschaft - und ja, ich fühle mich wenig integriert. Da frage ich mich, woran das liegt, da ich das bisher noch nie so erlebt habe. Selbst früher als Referendarin habe ich teils mehr Teilhabe erfahren als jetzt. Natürlich sage ich mal im Vorbeigehen, dass ich ebenfalls gern einen Kaffee hätte. Wird dann auch gemacht, so ist das nicht.

Die Kanzlei selbst besteht schon länger, wenn auch nicht in der jetzigen Form. Die ursprünglichen Partner haben sich getrennt, weil der Kollege seine Zulassung aufgegeben hat. Angestellte RAe gab es bis vor 3 Monaten nicht. Das heißt, es muss sich alles erst in der neuen Form zusammenfinden. Allerdings dachte ich, dass das schon innerhalb von ca. 3 Monaten möglich sein sollte.

Ich selbst muss mir nun überlegen, ob ich Konsequenzen hieraus ziehe - in welcher Form auch immer. Zuerst müssen natürlich Gespräche geführt werden und dann muss man sehen, ob sich das Klima hier bessert. Ich habe den Eindruck, dass die neue ReFa hier auch nicht so glücklich ist. Sie wirkt jedenfalls teilweise recht unterkühlt (auch am Telefon).

Mich würden halt einfach mal Eure Erfahrungen interessieren. Vielleicht war ich bisher einfach in Kanzleien, in denen es besser gepasst hat oder ich hatte einfach nur Glück. :wink:
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#23

22.09.2014, 17:25

Ich denke, dass wegen der kürzlich eingetretenen Neuerungen vielleicht auch Unsicherheiten bei den Refas bestehen, sie müssen sich ja auch an zwei neue Anwälte und den gewachsenen Kolleginnenkreis gewöhnen. Und wenn vielleicht niemand genau definiert hat, wer von den neuen Anwälten - Angestellter und Gemeinschafterin -welchen Stand hat und wie ihm/ihr zuzuarbeiten ist, dann wird es wohl leider an dir sein, das für dich und die Refas zu definieren. Ich kann dir nur vorschlagen, meine Kolleginnen zu erobern: Kommuniziere mehr als die anderen Anwälte, suche Kontakt oder zumindest mal ein kleines Gespräch zwischen Tür und Angel, erkläre deine Wünsche genau und erwähne ruhig auch mal wertschätzend, wenn sie entsprechend ausgeführt werden, so halt....
Ich bin auch schon ewig in einer kleinen Bürogemeinschaft (2 RAinnen) und könnte es überhaupt nicht ertragen, wenn neben dem Arbeitsstress auch noch die Kommunikation schwierig wäre oder brach läge.
Grüße - sansibar
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katuscha
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#24

23.09.2014, 09:05

Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn ihr ca. alle zwei Wochen ein gemeinsames Mittagessen machen würdet. Dort könnte in entspannterer Athmosphäre einiges besprochen werden. Vielleicht tauen alle dann auch ein wenig auf. Es sieht so aus, als wenn keiner weiß, wie er mit dem anderen umgehen soll.

Ich habe meine Ausbildung in einer Kanzlei gemacht, die sich gerade gegründet hatte. Vier Einzelanwälte hatten sich zusammen geschlossen. Das war am Anfang auch nicht leicht, da jeder andere Vorstellungen hatte. Dann wurde das mit dem Mittagessen eingeführt und danach lief es dann wesentlich besser.
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Pitt
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#25

23.09.2014, 09:06

Ich denke, es hängt vom Maßstab ab. Wenn man aus einer Kanzlei kommt, in der ein lockerer Umgangston herrschte, dann empfindet man wahrscheinlich einen Kulturschock in so einer Situation. Da das Büroteam in der jetzigen Konstellation erst seit 3 Monaten besteht, ist eine abwartende Haltung aller Beteiligten, eine Art "gegenseitiges Beschnuppern" m. E. normal. Gerade wenn man wie die neue ReFA in der Probezeit ist, hat man oft Angst Fehler zu machen und nimmt sich eher zurück. Man will nicht anecken. Das kann dann schnell als unterkühlt ausgelegt werden.
Manchmal reicht auch ein schlechter Start, damit vor allem die negativen Seiten einer Kanzlei auffallen. Man hat eine schlechte Erfahrung gemacht und sammelt dann Punkte, die das bereits gefasste Urteil (Büroklima ist schlecht) untermauern. Die geschilderten Situationen sehe ich noch nicht als Beleg für ein schlechtes/kaltes Büroklima.
Mittagspausen werden z. B. bei uns auch getrennt verbracht, es gibt auch kleine Cliquen, die sich manchmal treffen, aber wir haben hier nur 30 Minuten Pause und die nutzt jeder wie er mag, der eine geht an die frische Luft zum Bäcker, der nächste schmeißt die Mikrowelle an. Das mit dem Kaffeebringen ist hier eine Seltenheit. Mein Chef will das gar nicht. Er hat zu mir mal gesagt, er hat zwei Hände und kann das selber. Als ich noch neben seinem Büro saß, kam er dann mit der Kaffeekanne bei mir vorbei und hat mir den Kaffee gebracht.
Eine gesonderte Vorstellung des Mandanten erfolgt hier nur, wenn der weitere RA zur Besprechung hinzugezogen wird. Wenn Mdt. aber z. B. Termin bei RA A hat, RA B in der Vergangenheit auch mal für Mdt. tätig war, aber nicht an dieser Besprechung teilnimmt, dann wird RA B nicht zum "Hallo-Sagen" hinzugerufen. Ausnahme: Der Mdt. fragt selbst, ob RA B auch im Hause ist. Tja und das mit der Weihnachtsfeier: Es ist blöd, wenn man als Letzte davon erfährt, andererseits dürfte das vermutlich die erste Büroveranstaltung sein, die Du mitmachst und es gibt immer jemanden, der so was als letztes erfährt. War vielleicht einfach nur Zufall und beim nächsten Mal ist jemand anders der Letztinformierte.
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Anahid
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#26

23.09.2014, 09:36

Bei uns ist es auch so, dass jeder seine Mittagspause für sich verbringt. Ausnahmen gibt es eigentlich nur bei Geburtstagen oder wenn irgendwer mal vorschlägt, zusammen essen zu gehen, was eher selten der Fall ist. Ist aber auch kein Problem.

Nach Kaffee fragt mein Chef höchstens, wenn er sieht, dass ich ohnehin an der Kaffeemaschine stehe. Ansonsten würde er nie auf die Idee kommen, mich zu bitten, ihm einen Kaffee zu bringen.

Mandanten werden ebenfalls nur vorgestellt, wenn der neue Anwalt an der Besprechung teilnimmt oder halt gerade zufällig auf dem Kanzleiflur vorbeiläuft. Aber das man mit dem Mandanten extra zu dem Anwalt geht, gibt es bei uns auch nicht.

Ich seh das wie Pitt. Ihr seid ein junges Team, das erst zusammenwachsen muss. Und es ist bemerkenswert, wie leicht man mal mit einem Lob jemanden erfreuen kann. Wird leider in manchen Kanzleien nicht für nötig gehalten. Vielleicht auch einfach mal selbst die Initiative bei nächster Gelegenheit ergreifen und einfach mal ein gemeinsames Mittagessen vorschlagen oder z.B. am Wochenende einen Kuchen backen und den Montags in die Küche stellen. Sowas wirkt nicht wie Bestechung und die Damen und auch die anderen Kollegen freuen sich. Ansonsten wirklich einfach mal mit einem freundlichen Hallo morgens beim Reinkommen kurz das Gespräch suchen. Und wenn man nur über das Wetter redet. Man muss das halt austesten. Es gibt Personen, mit denen klappt sowas gut und da wird das Klima verbessert und es gibt Personen, die zuviel Freundlichkeit zum Anlass nehmen, zu meinen, sie könnten mit dem anderen machen was sie wollen. Aber das wirst nur Du selbst beurteilen können.
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#27

23.09.2014, 12:31

Danke für Eure Statements und auch mal die "andere" Sichtweise.

Weil das mit dem Kaffee jetzt öfter angesprochen wurde: Selbstverständlich kann ich mir meinen Kaffee selbst holen. Aber wenn mein Kollege, der im Büro nebenan sitzt, gefragt wird und ich nicht, obwohl die Refa an meinem Büro vorbei muss, um in die Küche zu gehen, dann frage ich mich schon, warum sie mich nicht fragt. Es macht keinen Mehraufwand, 2 Kaffee aus der Maschine rauszulassen. Ist extra so vorgesehen. Und ja, ich weiß sehr gut, wie man vom Arbeiten abgehalten werden kann, wenn man auch noch Sekretariatsaufgaben hat. Ich war lange genug RAin ohne ReFa. Ich würde auch nie eine der ReFas bitten, mir Kaffee zu bringen. Es geht allein um die Situation, dass sie den Kollegen sowieso schon gefragt hat und sie eh schon auf dem Weg war...

Wir haben bereits öfter versucht, ein gemeinsames Mittagessen zustande zu bringen. Hat bisher nicht geklappt. Könnte natürlich tatsächlich daran liegen, dass die ReFas nur 30 Minuten Mittagspause haben.

Was die Vorstellung des Mandanten angeht. Er war zur Besprechung beim Kanzleiinhaber. Als der Fall vorher - per Mail - herein kam, haben wir alle adie Rechtslage besprochen. War etwas kompliziert. Dies hat der Mandant übrigens auch mitgekriegt. Er wurde dann, als er hier war, dem neuen angestellten Kollegen vorgestellt. Mir nicht, obwohl ich nebenan sitze und ich an dem Fall beratend beteiligt war.
gkutes

#28

23.09.2014, 13:21

Mittagspause mit den Chefs? Das bräuchte ich jetzt auch nicht wirklich! Wenn dies als Rahmen für Kanzleibesprechungen dienen soll, dann sollte es auch nicht die "Pause" sein.

Der einzige Grund, den ich mir vorstellen kann, nur eine Person wg. Kaffee zu fragen und den Nachbarn zu ignorieren: Persönliche Antipathie.
alles andere liest sich für mich so: Du bist nur in Bürogemeinschaft und gehörst eben nicht zur Kanzlei.
vicym6605

#29

23.09.2014, 13:45

Also, ich bin seit 12 Jahren mit meinen Chefs allein. Ich koche Kaffee und Tee für die beiden und breche mir da auch keinen Zacken aus der Krone.

Besprechungen finden bei uns durchaus auch einmal bei einem gemeinsamen Mittagessen statt. Probleme werden sofort angesprochen.

Ich kann nur raten, mal den Vorschlag eines gemeinsamen Essens in der Kanzlei zu machen, schon um sich besser kennen zu lernen.
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Anahid
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#30

23.09.2014, 13:56

Bei einer halben Stunde Mittagspause ist das klar, dass das mit dem Essen eher schwierig wird.

Aber ehrlich Likema.....hier hängt es wohl mehr an dem Seniorchef selbst. Ich meine, wenn der den Mandanten dem anderen Kollegen extra vorstellt, Dir aber nicht, dann signalisiert das doch ziemlich genau die nicht vorhandene Wertschätzung. Sorry, aber ist meine Meinung. Dann solltest Du echt überlegen, ob Du da an der richtigen Stelle bist.

Wie Du selbst anfangs geschrieben hast, bist Du in Bürogemeinschaft und es ist nur eine teilweise Sekretariatsnutzung vereinbart. Dieser Umstand führt natürlich auch dazu, dass die Angestellten Dich lediglich als weiteres "Übel" (sorry, für den Ausdruck), aber in keinster Weise als eine ihnen vorgesetzte Person betrachten. Da ist schon klar, dass die Sekretärin (wahrscheinlich die, die schon lange da ist) den Senioranwalt (so hab ich das zumindest verstanden, da der ja neben Dir sitzt) fragt, Dich aber insoweit ignoriert. Denn er ist "ihr" Chef und kein anderer. Ich denke, dass der ganze Aufbau in dieser Kanzlei nicht wirklich glücklich ist.
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