gewinnbringend Arbeiten - RVG / Vergütungsvereinbarung

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worldi
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#1

18.04.2023, 10:11

Mal eine Frage, kann die Kanzlei heute noch kostendeckend bzw. eher gewinnbringend arbeiten?

Wie soll das alles funktionieren mit RVG-Mandaten, da sind Mandate bei, mit denen man unter dem Mindestlohn verdient. Natürlich ist es immer eine Mischkalkulation, aber wie läuft es bei euch. Habt ihr weniger Mandate, dafür mehr Mandate mit Vergütungsvereinbarungen?

Würde mich über einen Austausch freuen...
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icerose
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#2

18.04.2023, 10:29

Hallo, Worldi,
ich arbeite für zwei RAe - und es ist unterschiedlich.

Mein Boss in Berlin hat zum einen richtig viele Mandate, die er nach Zeit abrechnet. Das funzt gut. Zum anderen ist er für einige größere Vermieter tätig - da kommt immer was, funzt auch nach RVG recht gut.

Dann hab ich noch ne Chefin in Krefeld, die hat - aufgrund des Rechtsgebiets - fast immer recht hohe Streitwerte. Dazu noch viel Kleinkram - aber Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist - läuft also gut.

Fazit: es kommt glaub ich auf die Gegend und die bedienten Rechtsgebiete an - aber man kann schon gut verdienen.
Mit mir kann man Pferde stehlen ... aber morgen bringen wir sie zurück :!:
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Dany1981
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#3

18.04.2023, 10:40

Unsere Kanzlei steht ja in einer etwas kleineren Stadt als Berlin, haben dadurch wahrscheinlich auch weniger Fixkosten im Monat. Wir haben selten Vergütungsvereinbarungen.
Der Großteil bei uns sind Verkehrsunfälle und Strafsachen. Ansonsten viel Kleinmist. Haben seit Jahren immer genug zu tun und auch immer Gewinn.
So reich, wie die Anwälte im TV immer dargestellt werden, is jetzt mein Chef natürlich nicht.

Hab ihr denn so wenig Neumandate, dass ihr nicht aussuchen könnt? Wir machen gewisse Sachen auch nicht mehr. Bei vielen kommt außer Arbeit nichts bei rum.
"Das Leben ist zerbrechlich. Binnen eines Lidschlags kann einem alles genommen werden. Es ist leicht, sich ein Gefühl falscher Sicherheit zuzulegen. Ich lasse mich lieber auf die Zerbrechlichkeit des Lebens ein und genieße es hier und jetzt in seiner ganzen majestätischen Schönheit."

Ich finde, Francis Ackerman jr. hat dies sehr schön zum Ausdruck gebracht. :mrgreen:
halbbluttaenzerin
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#4

18.04.2023, 10:45

Hey Worldi,

unsere Kanzlei (zwei RAe und zwei Angestellte) besteht erst seit Mitte 2020 und wir haben das große Glück in einer Bürogemeinschaft mit einem ziemlichen großen Steuerbüro zu sein. Mandate (vorallem große Firmen) die wir über das Steuerbüro beziehen (was echt nicht wenig ist) rechnen wir meist nach Vereinbarung (ca. 200 bis 220 € pro Stunde) ab. Bei kleineren Firmen gehen wir auch mit dem Stundensatz weiter runter oder rechnen ganz normal nach dem RVG ab. Einer der beiden ist Fachanwalt für Steuerrecht und der andere für Handels- und Gesellschaftsrecht, deswegen bekommen wir nicht all zu viele Mandate außerhalb. Aber auch Neumandate die wir nicht über das Steuerbüro oder Mundpropaganda beziehen, berechnen wir nach RVG.
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worldi
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#5

18.04.2023, 10:48

wir arbeiten mehr für Firmen und Stundensatzbasis und mind. RVG das rechnet sich, früher mehr RVG und Verbraucher....
nach dem RVG kann man ja kaum noch Mandate annehmen, denke halt viel darüber nach, wie es sich in anderen Kanzleien entwickelt...habt ihr zB unterschiedliche Stundensätze für Verbraucher und Firmen?
ds1310
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#6

20.04.2023, 11:27

Ich arbeite seit 17 Jahren in einer ganz kleinen Kanzlei, eigentlich nur meine Chefin und ich. Als ich anfing, war sie ausschließlich auf Mietrecht spezialisiert, nur nach RVG abgerechnet, und ohne Zusatzeinnahmen zum Beispiel bei Mieterverein oder ASTA Rechtsberatung wäre sie vermutlich schon lange pleite gewesen. Inzwischen hat sie sich auch auf zwei weitere Rechtsgebiete spezialisiert (mit Fachanwalt bzw. gerade kurz vor der Prüfung zum Fachanwalt) und wir haben jetzt auch einige Mandate mit Vergütungsvereinbarungen und kommen gut über die Runden, aber reich wird sie damit nicht. Auch nicht wohlhabend. Aber ihr macht ihr Job Spaß und wir (beide um die bzw. über 60) wollen das noch ein paar Jahre zusammen machen.
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