Weiterentwicklung, Veränderung

Hier können allgemeine Fragen zur Weiterbildung Rechtsfachwirt/Rechtsfachwirtin gestellt werden.
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Renew
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#1

02.03.2021, 20:52

Hallo,

arbeite in einer Kanzlei. War jahrelang raus aus dem Büro und habe daher leider auch nicht so viel super Erfahrung gesammelt. Ich kann Sekretariatsarbeiten, denke ich zumindest mal (weiß ja nicht, was woanders so verlangt und erwartet wird), aber der Fachbereich einer ReFa, da bin ich immer noch nicht weiter.... Es ist gut möglich, dass ich in unserer Kanzlei nicht mehr lange bleiben kann wegen Umstrukturierungsmaßnahmen u. ä. Daher frage ich mich, wo ich mich bewerben könnte.

Z. B. frage ich mich, ob man rein als Sekretärin noch großartig Chancen hat. Sollte ich vielleicht eine Ausbildung zur ReFa machen irgendwo? Was wird gesucht?

Vielleicht habt ihr ja mehr Überblick in dieser Materie, was den Markt so angeht....Ich bin übrigens auch schon 43 Jahre alt....

LG
Refa-99
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#2

03.03.2021, 08:44

Ehrlich gesagt, würde ich keine Ausbildung mehr machen. Viele Kanzleien suchen mittlerweile Mitarbeiter im Sekretariat, bei denen die Ausbildung zwar gewünscht, aber nicht Pflicht ist und wenn du schon Erfahrung in Kanzleien hast, würde ich lieber auf Fortbildungen zum RVG etc. gehen als die komplette Ausbildung zu machen

Ich hab auch mal gehört, dass man durch lange Berufserfahrung sich von der RAK ein abschlussähnliches Zertifikat geben lassen kann, da weiß ich aber nicht mehr darüber
Irilein
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#3

04.03.2021, 10:44

Liebe Renew, bei uns fängt diesen Sommer eine Dame in deinem Alter die Ausbildung zur ReNo an. Ich finde das total toll. Sie sagt selber, Stillstand ist Rückstand. Sie war immer nur als "einfache" Sekretärin in verschiedenen Büros tätig (zwischen den Geburten der Kinder) und will jetzt was machen, was sie weiterbringt und ihr Hirn nochmal fordert :). Sie hat aber auch einen gut verdienenden Ehemann und ist daher auf die geringe Ausbildungsvergütung nicht wirklich angewiesen. Und wir suchen händeringend Azubis, die später auch gerne bleiben wollen. Die jungen Mädchen hält doch nichts mehr beim Land- und Wiesenanwalt. Deswegen sind wir total happy, dass die neue Azubine jetzt quasi schon weiß, dass sie bis zur Rente bei uns bleiben will. Familienplanung ist auch durch, super!
Also, es kommt doch immer auf jeden persönlich an. Wenn du dir die Ausbildung mit Berufsschule und Prüfungen zutraust, hau rein. Ansonsten findest du sicher was für dich. Ich drücke dir die Daumen! LG
Renew
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#4

06.03.2021, 16:55

Also gibt es ihn wirklich, den Fachkräftemangel. Mehr Geld wäre für mich schon besser, da ich eben keinen Mann habe, der so super verdient.....

Also dürfte ich wieder was finden, halt dann wirklich Sekretariat. RVG gehört dann auch in diesem Bereich: Rechnungen schreiben. Fristen vielleicht auch? Das sollte ich dann endlich mal anfangen, brauche ich hier ja auch. Bisher schlagen wir uns so durch mit Anweisungen von meinem Chef und mit Suchen im Netz nach Beispielen.....

Es ist nur so, dass ich natürlich etwas Angst davor habe, woanders zu arbeiten. Ich bin ziemlich sensibel und nicht die kontaktfreudigste - ich tue mich eher schwer in diesen Dingen. Aber wenn die Kanzlei es dauerhaft nicht packt, dann kann man da wohl leider auch nix machen.

Die Einschätzung ist schon was wert, dann brauche ich nicht irgendwelche nutzlosen Scheinchen zu machen usw.

LG
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mücki
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#5

15.03.2021, 09:48

Also ich würde nicht sagen, dass es ein nutzloses Scheinchen ist. Man darf auch nicht vergessen, gerade was Fristen angeht, besteht ein erhebliches Problem, wenn diese nicht von entsprechend qualifiziertem Fachpersonal eingetragen werden.

Grundsätzlich ist es aber so, dass viele Kanzleien (und nicht nur die) gezielt z.B. nach Schreibkräften suchen. Die Fragen wären daher eher: Was kannst du und was willst du? Willst du unbedingt beim Anwalt bleiben? Machst du überhaupt "berufstypische" Dinge? Auch bei einem Neuanfang in Richtung Ausbildung gäbe es Möglichkeiten entsprechende Unterstützungen zu beantragen. Natürlich muss man mit Einbußen rechnen, diese können aber gut abgemildert werden.

Nach deiner Aussage weisst du weder genau was du kannst, noch was ggf. woanders von dir erwartet wird. Bei ersterem kann ich dir nicht helfen, das musst du schon selbst beurteilen. Bei letzterem dürfte ein Blick in entsprechende Stellenanzeigen helfen. Häufig steht da ziemlich ausführlich was man mitbringen sollte. Wenn du dich in Kanzleien bewerben willst, solltest du von Stellen, die die berufstypischen Tätigkeiten einer ReFA ausschreiben, vielleicht die Finger lassen.
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paralegal6
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#6

17.03.2021, 09:53

naja, die Frage ist, hast du Kinder / eine eigene Wohnung und könntest vom Azubi Gehalt 2 Jahre über die Runden kommen? hört sich eher nicht so an oben.
was hast du denn gelernt? Bürokauffrau? In nem Inkassobüro vielleicht oä?
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Renew
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#7

11.04.2021, 14:18

Hallo ihr Lieben,

danke herzlich für eure Antworten. Ich denke mir halt, wenn ich mehr Geld kriegen kann, warum soll ich es nicht nehmen. Immerhin bin ich ja auch nicht ganz ungelernt. Als Schreibkraft tauge ich wohl einigermaßen. Ich mache Ablage (wenn ich dazu komme), Posteingang, trage Fristen ein (nach bestem Gewissen, Anwalt kontrolliert das ja auch mit dem Posteingang, also wenn was wirklich wichtiges dabei ist, kriege ich eine Notiz zum Eintragen) - einfache Tätigkeiten halt. Bisher fehlte es hier aber an einer ReFa, die ihn da besser unterstützen kann bei seiner Arbeit. Bei ihm stapeln sich die Akten nur so. Ich komme halt noch grad dazu Wiedervorlagen einzutragen, aber danach bin ich raus. Es bräuchte dann eben jemanden, der die Akten raussucht, hinlegt, mit ihm bespricht oder selber auch Sachen bearbeitet/vorarbeitet. Keine Chance hab' ich, da ich das zeitlich einfach nicht hinbekomme - egal wie rum ich mich drehe.

Eigentlich wird man ja auch wieder etwas ehrgeizig mit der Zeit. Ich habe vor 20 Jahren mal eine kaufmännische Ausbildung gehabt, auch eine als Sekretärin. Nun war ich da aber nie wirklich tätig und habe jahrelang bei einem Supermarkt Regale eingeräumt. Hierher bin ich durch Glück gekommen. Und nun möchte ich aber auch was draus machen. Ich komm' halt auch nicht überall zurecht und möchte natürlich gerne bei meinem jetzigen Arbeitgeber bleiben. Daher müsste über kurz oder lang noch jemand kommen, der eben dann diese Arbeiten macht wie Ablage, Pflege der digitalen und der Papierakten, auch Rückstände sind ja noch da, die aufgearbeitet werden müssten in diesem Bereich usw. Doch dauerhaft wird sowas ja keiner machen wollen, die möchte natürlich selber gerne weiterkommen. Also geht das über Azubis, oder wie? Oder man teilt es sich auf? Aber kommt da realistisch gesehen noch dazu?

Nebenbei lässt sich da wohl schlecht was machen? Und mein Arbeitgeber müsste mir weniger bezahlen? Und vor dem Hintergrund der Pandemie frage ich mich natürlich, ob es sich lohnt noch in eine solche Ausbildung zu investieren? Ich wüsste aber auch nichts anderes, was ich machen wollte/könnte. Woanders müsste ich dann ja ganz bei Null anfangen. Wäre ja auch doof, wenn es dann ja auch nichts ist, wo ich unbedingt Interesse habe und mir das ja jetzt auch krampfhaft suchen müsste, was ich machen möchte. Und um sich für die Zukunft abzusichern, wenn immer mehr Sachen durch Computersysteme erledigt werden, Homeoffice usw. Dann bleibt ja nur noch die Qualifikation z. B. zum Rechtsfachwirt oder sogar noch höher?

Ihr habt möglicherweise Kollegen, mit denen ihr euch austauschen könnt darüber? Das fällt bei mir erst mal weg. Weiterbildungsseminare gibt es ja viele. Aber die wollen wohl gewählt sein - und vor allem auch bezahlt werden. Das ist zurzeit schon gar nicht drin. Muss es ja auch noch nicht.

Ich brauche natürlich eine Grundlage. Wenn ich z. B. nur das RVG mir anschaue - nutzt das was, wenn mir das andere juristische Wissen fehlt? Das verunsichert mich eben oft. In einer Ausbildung brauchst du nicht so lange zu suchen, was du dir jetzt aneignen sollst. Es wird dir alles vorgekaut. Auch wieviel Zeit du investierst oder so. Jedenfalls zum großen Teil?! Hier hänge ich irgendwie etwas in der Luft und ich bin immer noch dabei, wie ich lernen soll und wann.... (dazu aber ein anderer Thread).

Die Idee mit den Stellenausschreibungen.... Also braucht man immer nur spezifische Kenntnisse, mit denen man irgendwo immer unterkommen kann, wie z. B. RVG, Zwangsvollstreckung usw.

Ich bin recht perfektionistisch und überfordere mich damit wahrscheinlich. Auch wenn ich jetzt versuche, alles zu wissen und mir dauerhaft zu merken, würde mir das wohl nichts bringen. Letztens hatte ich eine vom AG am Telefon "ja, ich mache das jetzt auch nicht so oft" und man hörte am Telefon regelrecht, wie sie etwas rot geworden ist. Mit den Lücken muss man wohl dann im Beruf klarkommen? Genauso wird man als Anwalt nie alles wissen, was zum Job gehört. Auch hier greift die Fachrichtung ("nee ........recht mach' ich nicht, da muss ich mich ja erst einlesen usw.)

Jetzt war das doch wieder sehr ausführlich.

LG
Renew
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#8

11.04.2021, 15:49

Was mir jetzt grad' mal so auffällt....

Mein Chef hat einen Anrufservice bestellt, die die Anrufe entgegennehme (wir haben auch wirklich viele Anrufe, oft sind gleich zwei Leitungen belegt, man kommt echt zu nix). Er möchte die OnlineAkte einführen (bei Gelegenheit), dazu noch diesen Service, dass die Briefe etc. direkt zur Akte gescannt werden (in einem OnlineSeminar von Advolux wurde gesagt, dass der BGH sowas verboten hat; also frage ich mich wie das funktionieren soll, aber wenn das so angeboten wird, wird es wohl so sein). Ein Anwalt kommt jetzt noch dazu, der die Sachen von A-Z selbst bearbeitet (was ja gut ist, denn unser Chef kommt nicht dazu, ich auch nicht), unser Chef konzentriert sich dann mehr auf die Steuersachen.

Ich fürchte, das dauert nicht mehr lange, dann bin ich ja komplett weg vom Fenster, oder wie? Panik!!! So ein Mist..... Daher meine Unsicherheit... Da ich eben auch nicht die TopFachkraft bin, ist natürlich das auch nicht so gut für die Kanzlei. In welche Richtung soll ich denn gehen? Nochmal Anwalt? Ja, schwierige Frage.... Oder bin ich jetzt zu panisch und mein Chef möchte mich bloß entlasten, damit ich mit der Arbeit besser hinterherkomme? Das wird ja immer so verkauft, dass es zur Entlastung ist. Immerhin (dies aber auch Kostengründen zurzeit) bin ich erst mal mit den Stunden runtergesetzt auf die Hälfte. Die Kanzlei hat es echt nötig, dass sich was ändert. Kann ich darauf hoffen, weiter beschäftigt zu werden? Und mit mehr Fachwissen wäre das schon besser, oder? In anderen Kanzleien läuft das doch auch immer mehr darauf hinaus. Braucht man eine Sekretärin wirklich noch oder ähnliches und in welcher Funktion? Immerhin spart man am Personal ja auch sehr gerne, um selber mehr in der Tasche zu haben. Kann's irgendwie jetzt nicht so einschätzen.

Also sieht das so aus, dass ich dort nicht mehr wirklich gebraucht werde in naher Zukunft? Aber in anderen Kanzleien ist es doch sicher auch so oder schon bald? Daher wieder die Frage? Wohin? Und Weiterbildung in welchem Bereich?

LG
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#9

11.04.2021, 16:02

den Dragon habe ich noch vergessen......

:heul
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#10

13.04.2021, 16:31

Hallo nochmal,

das war wieder mal die Panik, die da aus mir herausschrieb. Kriege ich in unregelmäßigen Abständen....

Ich denke, es ist tatsächlich das Beste, das RVG zu lernen, so gut es eben geht. Und dann seh' ich's ja. Ich denke schon, dass mich dann vielleicht wer einstellen wird (abgesehen von der Corona-Krise usw.), wenn ich wenigstens das noch drauf hab', oder?! Alles auf einmal geht ja nicht, obwohl ich da immer dran hängen bleibe, dass ich ja am Besten schon alles wissen müsste, wenn ich gute Arbeit machen möchte?! Wie auch immer.... Keine Ahnung.....

Einen schönen Rest-Dienstag noch euch :o)

LG
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