Arbeitsweise RA

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Wolke187
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#1

23.10.2019, 16:19

Hallo zusammen,

seit längerer Zeit fällt mir auf, dass unser RA bei Schriftsätzen echt ungenau arbeitet. Er diktiert z. B. seitenlange Schriftsätze, die ich dann natürlich auch noch tippen muss, teils sehr fehlerhaft. Berechnungen sind grundsätzlich falsch, sodass ich wirklich alles nachrechnen und kontrollieren muss, was natürlich sehr, sehr zeitintensiv ist. Wenn ich dann nachfrage, reagiert er fast schon genervt und meint, es wäre ja alles logisch und ich solle es mir einfach nochmals ansehen.

Und zu allem Überfluss muss natürlich alles besser heute als morgen gemacht werden, was bei der vielen Arbeit eigentlich nicht zu schaffen ist.

Ist das bei euch auch so? Mit dieser Arbeitsweise habe ich echt so meine Probleme ...

Liebe Grüße
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Anahid
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#2

23.10.2019, 16:26

Das immer alles nach Möglichkeit sofort gemacht werden soll, ist hier auch so. Ob die Schriftsätze und darin enthaltene Berechnungen falsch sind, kann hier aber nicht festgestellt werden, da wir damit nichts zu tun haben. Die Schriftsätze werden direkt ins Programm diktiert, ausgedruckt und dann nur zum Ausfertigen vorgelegt (kopieren, Anlagen anheften).
Jeder Tag ist ein Geschenk ... aber manche sind einfach grottenschlecht verpackt.
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Geniesserin
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#3

23.10.2019, 16:31

Nachrechnen tue ich auch immer alles, auch wenn es meistens stimmt. Aber sicher ist sicher.
Wenn etwas unklar ist, kann ich fragen.
Hat der Anwalt derzeit besonderen Stress? Ist vielleicht beruflich oder privat was im argen? Klingt ein wenig danach.
Leben und leben lassen - Irren ist schließlich menschlich
Wolke187
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#4

23.10.2019, 16:39

Naja Stress herrscht hier ja immer, aber meine Kollegin meinte letztens, er wäre seit längerem allgemein nicht mehr so motiviert, aber dafür können wir ja nix ...
Pitt
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#5

24.10.2019, 07:59

@Wolke187: Das ist hier auch so. Je mehr Stress Cheffe hat, deso unkonzentrierter ist er und es gibt auch Akten, auf die hat er einfach keinen Bock und das merkt man beim Diktat. Ich rechne hier alles nach, weil Chef sich oft verrechnet und schon meinte, das seien bei ihm alles nur "Annäherungswerte". Und ja, es kostet Zeit und es nervt. Ich habe auch schon versucht, ihm zu erklären, dass es keinen Sinn hat, sich von den Mandaten oder Kollegen unter Druck setzen zu lassen, weil einige Zeitlimits, die von dort gesetzt werden, schlicht unrealistisch sind und die auch keinen anderen Anwalt finden würden, der das in diesem Zeitrahmen wuppt. Bei besonders kniffligen Sachen setze ich Terminblocks in den Kalender, damit er ungestört daran arbeiten kann. Hat es was gebracht? Geht so.
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SiBa
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#6

24.10.2019, 08:44

Pitt hat geschrieben:
24.10.2019, 07:59
Ich rechne hier alles nach, weil Chef sich oft verrechnet und schon meinte, das seien bei ihm alles nur "Annäherungswerte". Und ja, es kostet Zeit und es nervt.
Unsere diktieren nie sondern schreiben selbst... Aber diktieren wäre mir manchmal echt lieber, weil es teils Stunden dauert, seitenlange Schriftsätze nochmals durchzukontrollieren, weil sich in einem Absatz 15 Rechtschreibfehler, Aufzählungsfehler (nach Anlage K1 kommt K6 - ist klar), Rechenfehler und und und verstecken... Peinlich wenn sowas rausgeht! :schock
Und egal ob der Anwalt Stress oder einfach nur kein Auge fürs Detail hat, wenn du es kontrollierst, dann solltest du auch die ausreichende Zeit bekommen...
Ich frage dann gern, ob es ihm nicht peinlich wäre, so ein teils unverstänliches Kauderwelsch einem Richter und der Gegenseite zu präsentieren? Und was das für ein Licht auf die Kanzlei wirft?
Ist auch schon vorgekommen, dass der RA das selbst so rausschicken wollte, weil "jaja passt schon" und ich es einfach nur kommentiert habe mit: "Kann man so machen, aber dann wirds halt ka**e!" Manchmal hilft ein etwas direkterer Ton schon... Manchmal... :roll:
Kaffee erreicht Stellen, wo Motivation nur schwer hinkommt!
Einen schönen Tag euch allen... :wink1
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icerose
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#7

24.10.2019, 09:34

Klingt nicht sehr gut, Wolke 187.

Mein Chef diktiert seit geraumer Zeit alles über ein Schreibprogramm, inzwischen schreibt es doch sehr sauber. Korrektur macht er selber (ausgenommen AGB´s oder sowas - die darf ich). Ich hätte dafür absolut keine Zeit - also weder fürs Schreiben noch alles zu korrigieren (was anfangs aber echt besser gewesen wäre). Außerdem hab ich aufgehört, Schriftsätze, die schon draußen sind, zu lesen. Das würde mich bloß aufregen.
Mit mir kann man Pferde stehlen ... aber morgen bringen wir sie zurück :!:
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Lämmchen
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#8

24.10.2019, 14:22

Vielleicht versuchst Du es mal aus einer anderen Perspektive zu sehen: Wir alle haben mal gute Zeiten und mal schlechtere, in denen wir nicht gut drauf sind, genervt sind, irgendwelche Probleme drücken. Da sind wir dann auch nicht mehr so aufnahmefähig und sind fehleranfälliger. Wir erwarten da bisschen Verständnis und vielleicht auch einen Chef, der mal genauer hinschaut. Deine Kollegin hatte doch gesagt, dass es in letzter Zeit vermehrt so ist. Vielleicht geht das auch wieder vorbei.

Bei meinem Chef gibts auch Phasen, da kann man sich 100%ig drauf verlassen, dass das stimmt, was er macht und dann gibts wieder Phasen, da kontrolliert man jede Frist und jede Tabelle noch mal. Das ist so, wir sind schließlich alle Menschen.

Was das "alles auf einmal und sofort" angeht, müssen die Chefs schlicht lernen, dass es nicht geht. Notfalls sollen sie rote Punkte malen, damit Ihr erkennt, was jetzt wirklich Priorität hat. Zerteilen können wir uns ja nicht.
Liebe Grüße

Das Lämmchen Bild
Wolke187
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#9

25.10.2019, 09:29

Ja wenn das so einfach wäre ... Ständig heißt es dann, dies und jenes soll aber gleich gemacht werden usw. obwohl ich darauf hinweise, dass ich schon zig Sachen habe, die auch sofort gemacht werden sollen.
Und wenn es dann auch noch Sachen sind, bei denen man erst mal die Fehler suchen muss, dann ist das extrem nervig.
Schreibblitz
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#10

25.10.2019, 09:44

Bezüglich den Phasen, wo man mehr kontrollieren muss und den Phasen, wo die Arbeit passt, schließe ich mich meinen Vorrednern an. Jeder hat mal bessere und schlechtere Phasen, das ist ja bei uns auch nicht anders. ;-) Wir machen fast alles mit Spracherkennung. Das ist zwar anfangs etwas zeitintensiver, weil das Programm auch erst "lernen" muss, aber wenn es dann eine Zeit läuft, ist das schon eine echte Arbeitserleichterung. Vielleicht wäre das ja eine Option. Ich rechne auch nach, weil ich das von vielen Chefs kenne, dass sie sich mal verrechnen oder einfach auch mal versprechen. Bei mehreren eiligen Aufgaben frage ich den Chef konkret, was hiervon höchste Priorität hat und was er danach als nächstes braucht. Das funktioniert eigentlich gut und wenn wirklich mal mehrere gleichrangig eilige Aufgaben da sind, dann kriegt das auch mal eine Kollegin oder er erledigt es selber. Die E-Mails/Briefe/Schriftsätze, die er selber mittels Spracherkennung macht und verschickt, lese ich mir dann aber besser nicht nochmal durch, wenn sie schon draußen sind ;-)
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. (Reinhold Niebuhr)
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