Kanzleien und Recht bei den eigenen Mitarbeitern

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hedda
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#1

07.08.2019, 16:59

hallo. Ich bin schon etwas länger im Geschäft und bei manchen Kanzleien kann ich mir nur an den Kopf fassen. Die die es am Besten wissen sollten, machen mit den Mitarbeitern tw. was sie wollen und was definitiv nicht geht.

Hab jetzt schon von 2Fällen hier in der stadt gehört wo Angestellte in Kanzleien gekündigt wurden wegen Schwangerschaft. Ovwohl scjwangere Kündigungsschutz haben

Oder das mit Überstunden die mit dem Gehalt abgegolten sein sollen oder auch die Arbeitszeiten (Pausenregelung)?

Wie seht ihr das? Warum machen die das obwohl die doch wissen sollten wie es geht?

Ps: ich weiss, dass es nicht in allen Kanzleien so abgeht aber momentan beschäftigt mich das sehr. Auch der Umgangston mit den Mitarbeitern teilweise.
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paralegal6
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#2

07.08.2019, 22:57

Was ist denn jetzt deine Frage? Andersrum weiss eine ReFa ja auch, dass sie ne Kündigungsschutzklage einreichen kann. Mich persönlich interessieren andere Kanzleien wenig.
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Lämmchen
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#3

08.08.2019, 08:30

Ich habe schon mehrfach gehört... hat irgendwie was von "eigentlich nicht wissen"... Ich glaube schon lange nicht mehr alles, was ich höre.
Liebe Grüße

Das Lämmchen Bild
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Sunny1393
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#4

08.08.2019, 12:44

Aus eigener Erfahrung kann ich von zwei Kanzleien sprechen.
Bei der ersten Kanzlei hatte ich Ausbildung gemacht, die mich auch übernommen hätte. Im Arbeitsvertrag stand bei den Überstunden, das ein gewisser Teil (die genaue Zahl habe ich gerade nicht im Kopf) mit dem Gehalt abgegolten wäre. Überstunden hatte man in dieser Kanzlei aber auch so zu Genüge gemacht und man bekam einen auf den Deckel, wenn man mal pünktlich gehen wollte... Schlussendlich habe ich mich gegen den Vertrag entschieden, da mir auch ein sehr mikriges Gehalt angeboten wurde und da ich wusste, was nach der Ausbildung nach und nach auf mich zugekommen wäre, war mir das zu wenig. Die Ausbildung an für sich war auch nicht das Gelbe vom Ei, aber, da ich was in der Tasche haben wollte, habe ich die Zähne zusammen gebissen. Ansonsten kann ich hier nur sagen, dass ich in den drei Jahren viele Wechsel mitbekommen habe, aufgrund des Betriebsklimas und Ausnutzung...

In der zweiten Kanzlei war es von den Arbeitszeiten besser. Der Chef hatte keine Überstunden verlangt und wenn welche mal angefallen sind, durfte man diese auch in Freizeit ausgleichen. Leider war das Betriebsklima zum Teil schlimm und ich wurde von den meisten älteren Mitarbeitern ausgenutzt (ich war mit großem Abstand die Jüngste). Der Chef war auch ein ziemlicher Choleriker, wenn etwas nicht so gelaufen ist wie es hätte sein sollen. Ich hatte es deswegen dann auch schon zwei Mal abbekommen. Das Gehalt war hier in dem Fall auch eher mau, da ich aber damals schnell was haben wollte und kein Bock hatte daheim herumzusitzen, habe ich es probiert.
Da ich aber auf Dauer keine Zukunft hierin gesehen habe, da mein Arbeitsgebiet sehr einfach gehalten wurde und sich hierbei in Zukunft nichts geändert hätte (wollte nicht versauern), bin ich dann in den öffentlichen Dienst gewechselt.

Aus meiner damaligen Berufsschulklasse sind von ca. 20 Leuten noch 2 oder 3, die noch beim Anwalt sind. Der Rest ist woanders hin. Ich kenne aber auch Menschen, denen es in der Kanzlei gefällt und dort immer noch arbeiten. Andere haben wiederum gemeint, dass es zwar schön war, aber das Gehalt zu niedrig war und deshalb woanders hin sind.
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. :fecht
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NORTHERN DINO
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#5

08.08.2019, 13:49

Hier spielt wohl großteils der Charakter des RA eine Rolle. Wer seine Mitarbeiter(innen) zu schätzen weiß und sie entsprechend behandelt, ist der Idealfall. Ich habe unmittelbar neben meinem Gerichtsgebäude eine Kanzlei mit einem Einzelanwalt gehabt, der war genau das Gegenteil. Blutdruck wohl nie unter 280, Choleriker, Brüllaffe, den man auf dem Gehsteig hören konnte, wie er alle Nase lang seine Refa zusammengeschissen hat. Zudem lief seine Kanzlei - oh Wunder - schlecht. Er hat dann auch zeitnah aufgegeben. Bei solchen Bedingungen kann man nur flüchten oder sich zermürben lassen. Andere RAe halten sich für was Besseres und lassen dies ihr "Fußvolk" andauernd spüren. Man wird stellenweise an die Zeit des Sklaventums erinnert. Häufig spielen auch finanzielle Probleme, Alkohol und private Querelen eine Rolle, die dann in der Kanzlei abgeladen werden. Die Zeiten, wo man als RA noch den großen Reibach machen konnte, sind ohnehin lange vorbei. Hat man erst mal den Ruf weg: "Willste nen Prozess verliern, musste Pupsky konsultiern...", dann ist Hopfen und Malz verloren. Sowas spricht sich wie ein Lauffeuer herum. Andere RAe sind dann froh über jede gescheiterte Konkurrenz.

Aber es gibt auch positive Beispiele, wo alles bestens klappt, das Klima hervorragend ist und das Arbeiten Spaß macht, die RAe recht großzügig und modern eingestellt sind und frühzeitig gemerkt haben, dass gute Stimmung in der Kanzlei dem Betrieb förderlich ist. Leider sind diese Fälle wohl noch in der Minderheit.

Ich jedenfalls habe -zig Kanzleien vor die Hunde gehen sehen, RAe, die bei Nacht und Nebel abgehauen sind oder "die Lizenz" entzogen bekommen haben. 2 sind sogar in den Bau gegangen wegen Betrugs, Veruntreuung etc. Die Akademiker sind halt auch nicht mehr das, was sie mal waren... :klugscheiss
~ Grüßle ~
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#6

08.08.2019, 14:57

hedda hat geschrieben:
07.08.2019, 16:59
Warum machen die das obwohl die doch wissen sollten wie es geht?
Weil sie es können :pfeif Solange solche Kanzleien noch Leute finden, die zu solchen Bedingen arbeiten, haben sie ja keine Veranlassung etwas zu ändern. :teufel
Für die einen ist es die US-Wahl, für den Rest der Welt ist es 9/11
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#7

08.08.2019, 15:02

mrsgoalkeeper hat geschrieben:
08.08.2019, 14:57
hedda hat geschrieben:
07.08.2019, 16:59
Warum machen die das obwohl die doch wissen sollten wie es geht?
Weil sie es können :pfeif Solange solche Kanzleien noch Leute finden, die zu solchen Bedingungen arbeiten, haben sie ja keine Veranlassung etwas zu ändern. :teufel
Edit: Fehlerteufel korrigiert :mrgreen:
Für die einen ist es die US-Wahl, für den Rest der Welt ist es 9/11
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Andy66
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#8

08.08.2019, 16:38

Und ich dachte, die wären zwischenzeitlich ausgestorben. War wohl nur ein frommer Wunsch. Ich hatte mal einen RA, der hat mit Leitzordnern geworfen, wenn ihm danach war. Und dann kam er wieder mit Pralinenschachteln im kg-Bereich an. Ich war damals noch recht jung, sonst wäre ich wohl sofort nach dem ersten Wurf weg gewesen. Es verwundert kaum, dass es dem Charakter schadet, wenn an manchen Unis den Studenten eingetrichtert wird, sie wären jetzt "die Elite". Für manche beginnt die menschliche Spezies erst ab Abitur, alles was "darunter" ist wird nicht respektiert.

Dass es menschlich ganz, ganz armseelig ist, seinen Frust an einer schwächeren Person (immerhin vom Gehalt abhängig, häufig auch jünger) auszulassen, kommt noch dazu. Ich frage mich, was bei denen falsch gelaufen ist im Leben. Solche Leute treten auch den Hund.

Hier habe ich es sehr gut getroffen, wir begegnen uns auf Augenhöhe und das Gehalt stimmt auch. So macht Arbeiten Spaß. Allen, die am Arbeitsplatz nicht respektiert werden, die ausgenutzt und schlecht behandelt werden rate ich dringend, sich schnellstens was anderes zu suchen. Und wenns beim Supermarkt an der Kasse ist (da gibts bei den größeren sogar einen Tarifvertrag :mrgreen: ).

Es wurde hierüber bereits viel geschrieben, sogar die Anwaltschaft fragt sich langsam, warum sie keine Mitarbeiter mehr finden. Bei einzelnen charakterlich mangelhaften Personen wird das aber auch nichts bringen, da hilft nur wechseln. Ändern kann man die Leute nicht.
Was man auch Gutes über uns sagen mag: Man sagt uns damit nichts Neues
(de la Rochefoucauld)
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