Jobangebot von Düsseldorfer Kleinkanzlei annehmen?

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jetteclaude
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#1

18.05.2019, 16:39

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ein RA (Partner) hat mir einen Job in seiner Kanzlei angeboten bzw. gefragt, ob ich mir eine Zusammenarbeit (Vollzeit) vorstellen könnte. Für ihn war ich vor einigen Jahren für 1 J tätig (Großkanzlei, in der ich seit 10 J tätig bin). Er wechselte zu einer anderen Kanzlei.

Zum RA selbst: Er hat mit einem RA vor 3 Monaten eine eigene Kanzlei gegründet. Neben beiden RAen arbeitet dort eine Teilzeit-Assistentin. Die Kanzlei befindet sich im Aufbau (Associate wird gesucht).

Zu mir:
Seit 10 J arbeite ich in einer Düsseldorfer Kanzlei. Gehalt sehr gut, Fahrtkostenerstattung, VWL, eigenes Büro (Kolleginnen sitzen in 4er-Büros), arbeite mit einem super netten Team zusammen (Partner, Associates).
Wenig Kontakt zu Kolleginnen.

Das Job-Angebot geht mir nicht aus dem Kopf. Die Zusammenarbeit mit dem RA seinerzeit habe ich in guter Erinnerung.
Er bietet mir an, am Aufbau seiner Kanzlei mitzuwirken.

Klar, so gut wie Alles würde ich selbst wieder machen, ich hätte keine direkte Kollegin (sie ist 2 Tage da), so wie jetzt auch. Bei meinen Kolleginnen fühle ich mich oft außen vor, bei uns gibt es Gruppen (oft Gerede), denen ich mich nicht anschließe. In den Mittagspausen mache ich oft mein eigenes Ding (zB Sport).

Wie es in einer Kleinkanzlei abläuft weiß ich, habe dort mal 5 J gearbeitet, waren gesamt 4 RAe).

Bei einem Wechsel würde ich wieder bei 0 anfangen (KSchG greift nicht), was wenn die Kanzlei wider Erwarten nicht läuft... Über das Finanzielle haben wir noch nicht gesprochen, ich soll überhaupt erst sagen, ob ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen kann. Bedenkzeit gibt er mir soviel wie ich brauche.

Andererseits ist da der Reiz des Neuen... Hat vielleicht jemand Erfahrung?

Viele Grüße,
Claudia
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Anahid
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#2

20.05.2019, 09:31

Erfahrung habe ich damit nicht und die Entscheidung wird Dir auch keiner abnehmen können. Ich frage mich nur, wenn Du bereits 10 Jahre in der anderen Kanzlei bist, das finanzielle stimmt und Du mit einem netten Team zusammenarbeitest, warum Du dann wechseln solltest? Irgendetwas scheint ja nicht zu stimmen, wenn Du Dir überhaupt Gedanken machst zu wechseln. :kopfkratz
Jeder Tag ist ein Geschenk ... aber manche sind einfach grottenschlecht verpackt.
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Lämmchen
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#3

20.05.2019, 09:59

Anahid hat geschrieben:
20.05.2019, 09:31
Erfahrung habe ich damit nicht und die Entscheidung wird Dir auch keiner abnehmen können. Ich frage mich nur, wenn Du bereits 10 Jahre in der anderen Kanzlei bist, das finanzielle stimmt und Du mit einem netten Team zusammenarbeitest, warum Du dann wechseln solltest? Irgendetwas scheint ja nicht zu stimmen, wenn Du Dir überhaupt Gedanken machst zu wechseln. :kopfkratz
Das muss nicht unbedingt heißen, dass etwas nicht stimmt. Aus unserer (größeren) Kanzlei sind auch einige Anwälte gegangen, die einen neuen Standort einer ausländischen Kanzlei aufgemacht haben. Da wir mit denen auch sehr gut zusammen gearbeitet haben, haben sie uns auch gefragt, ob wir nicht beim Aufbau der neuen Kanzlei helfen wollen. Ich bin hierbei ganz schön ins Grübeln gekommen, obwohl ich inzwischen seit 25 Jahren hier bin und mit meinem Chef sehr gut zusammen arbeite. Letztlich habe ich mich entschieden, hier zu bleiben. Allerdings war keine Entscheidung gegen die neue Kanzlei, sondern nur für die alte.

Ich denke, es kann sehr spannend sein, etwas neues aufzubauen und von Anfang an dabei mitzuwirken. Mich haben die Kollegen und das gesamte Umfeld unter anderem hier gehalten.
Liebe Grüße

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jetteclaude
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#4

20.05.2019, 12:27

Danke für Eure Feedbacks :-)

Was ich hier immer stärker spüre, dass ich von den Kolleginnen fast nix mehr mitbekomme, da ich seit Jahren im eigenen Büro arbeite. Ich habe keine Kollegin, mit der ich zusammen arbeite. Das war nicht immer so, sondern hat sich die Jahre so entwickelt. Grund ist hierfür, dass ich u.a. für die Sichtung der täglichen Eingangspost, Notierung Fristen und Gerichtstermine für unseren Düsseldorfer Standort zuständig bin.

Ja, ich fühle mich hin und wieder einsam. Oberflächlichen Kontakt zu den Kolleginnen gibt es natürlich, ein Zusammenhalt ist nicht da.

Ein Umzug zu einer Kollegin ist nicht möglich, da die einzelnen Rechtsgebiete (Partner & Assistentin) zusammenbleiben sollen.

In der anderen Kanzlei wäre ich aber auch vorerst alleine.
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mücki
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#5

21.05.2019, 09:12

Wenn der RA gesagt hat, dass es ihm zunächst nur darum ginge zu wissen, ob du dir eine Zusammenarbeit vorstellen könntest, dann hast du dir die Antwort doch schon selbst gegeben, sonst würdest du dir nicht soviele Gedanken machen. Das kannst du also dann auch so kommunizieren.

Ob es schließlich tatsächlich zu einem Wechsel kommt, hängt dann ja von ganz anderen Faktoren ab.
Dumme Gedanken hat jeder, nur der Weise verschweigt sie. Wilhelm Busch
Schreibblitz
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#6

21.05.2019, 12:15

Wenn du schon 10 Jahre in der Kanzlei bist und es dir dort gut gefällt, würde ich wahrscheinlich dort bleiben. Du bist zwar in der jetzigen Kanzlei nicht bei den Kolleginnen integriert, aber wie du ja selber schreibst, wärst du in der neuen Kanzlei auch alleine. Und du weisst natürlich auch nicht, wie der Anwalt, für den du damals in Eurer Kanzlei schon mal gearbeitet hast jetzt als eigener Chef mit einer Kanzlei im Aufbau ist. Da muss er unter Umständen erstmal seinen Mandantenstamm aufbauen und die Kanzlei zum Laufen bringen. Und ich gehe mal davon aus, dass du auch seinen Kollegen nicht kennst. Sicher ist es eine tolle Herausforderung was neues mit aufzubauen, aber es kommt halt drauf an, wie risikobereit du bist. Ich persönlich würde wahrscheinlich bei dem altbewährten bleiben, wenn es mir im Großen und Ganzen dort gefällt, da ich da weiß, was ich habe. Die Entscheidung kann dir leider auch niemand anderes abnehmen. Wir können dir nur Denkanstöße geben. Ich drücke dir die Daumen, dass - egal wie du dich entscheidest - du für dich die richtige Entscheidung triffst. Ein kurzes Feedback, wie du dich entschieden hast, wäre toll.
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#7

21.05.2019, 12:41

Schreibblitz hat geschrieben:
21.05.2019, 12:15
Wenn du schon 10 Jahre in der Kanzlei bist und es dir dort gut gefällt, würde ich wahrscheinlich dort bleiben. Du bist zwar in der jetzigen Kanzlei nicht bei den Kolleginnen integriert, aber wie du ja selber schreibst, wärst du in der neuen Kanzlei auch alleine. Und du weisst natürlich auch nicht, wie der Anwalt, für den du damals in Eurer Kanzlei schon mal gearbeitet hast jetzt als eigener Chef mit einer Kanzlei im Aufbau ist. Da muss er unter Umständen erstmal seinen Mandantenstamm aufbauen und die Kanzlei zum Laufen bringen. Und ich gehe mal davon aus, dass du auch seinen Kollegen nicht kennst. Sicher ist es eine tolle Herausforderung was neues mit aufzubauen, aber es kommt halt drauf an, wie risikobereit du bist. Ich persönlich würde wahrscheinlich bei dem altbewährten bleiben, wenn es mir im Großen und Ganzen dort gefällt, da ich da weiß, was ich habe. Die Entscheidung kann dir leider auch niemand anderes abnehmen. Wir können dir nur Denkanstöße geben. Ich drücke dir die Daumen, dass - egal wie du dich entscheidest - du für dich die richtige Entscheidung triffst. Ein kurzes Feedback, wie du dich entschieden hast, wäre toll.
Ich schließe mich Schreibblitz hier an. Ich würde auch eher dort bleiben, wo ich weiß was ich habe. Es ist ein sehr großes Risiko, wenn man sich selbständig macht und die Insolvenz kann durchaus passieren, wenn es nicht so läuft, wie man es sich erhofft mit einer neuen Kanzlei. Aber es kann natürlich auch wunderbar werden. Das sind natürlich Dinge, die man nicht voraussehen kann, aber bedenken muss. Wenn Du das Risiko liebst, dann mach es, wenn Du eher der vorsichtige Typ bist, dann lass es. Aber wie schon gesagt, die Entscheidung kann Dir keiner abnehmen. Hör auf Dein Bauchgefühl.
Liebe Grüße

Sylvia

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#8

21.05.2019, 12:52

Schreibblitz hat geschrieben:
21.05.2019, 12:15
. Du bist zwar in der jetzigen Kanzlei nicht bei den Kolleginnen integriert, aber wie du ja selber schreibst, wärst du in der neuen Kanzlei auch alleine.
Ich finde es macht schon einen Unterschied, ob man alleine ist, weil die Kanzlei so klein ist oder ob man "alleine" ist, weil man vom bestehenden Team ausgegrenzt ist.
Für die einen ist es die US-Wahl, für den Rest der Welt ist es 9/11
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mücki
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#9

21.05.2019, 13:47

mrsgoalkeeper hat geschrieben:
21.05.2019, 12:52
Ich finde es macht schon einen Unterschied, ob man alleine ist, weil die Kanzlei so klein ist oder ob man "alleine" ist, weil man vom bestehenden Team ausgegrenzt ist.
:zustimm
während ersteres vielleicht manchmal ein bisschen "blöd" ist, weil eben auch niemanden hat, mit dem man sich mal über Fachliches austauschen kann, geht letzteres irgendwann ganz schön ans Eingemachte, zumindest wenn man kein ausgemachter Einzelgänger ist.

Außerdem - und insoweit wiederhole mich jetzt einfach mal - geht es doch erstmal nur darum, ob sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen könnte. Alles andere steht doch eh auf einem ganz anderen Blatt Papier und sollte dann in einem entsprechenden Gespräch geklärt werden.

Zumal wenn man den RA schon kennt - zumindest aus meiner Sicht - nichts dagegen spricht, diesen genauer zu interviewen, wie es denn mit der Mandantenstrucktur etc. aussieht Ob geplant ist, das Team in absehbarer Zeit weiter aufzustocken, wie es mit dem Verdienst, Urlaub und sonstigem so aussieht, kann dann auch besprochen werden. (Ohne eine Klärung dieser Punkte wird wohl ohnehin niemand woanders anfangen und das wird ja offensichtlich auch gar nicht erwartet.)

Ganz ehrlich: Ich würde sagen: Zusammenarbeit kann ich mir grundsätzlich vorstellen, ob ja oder nein ist aber von verschiedenen Faktoren abhängig, die vorher noch geklärt werden sollten.
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#10

21.05.2019, 18:48

Liebe Alle,

vielen Dank für Eure Meinungen & Ratschläge :-)

Meine Entscheidung ist gefallen: Ich bleibe erst mal da wo ich bin. Das finanzielle Risiko, falls die kleine Kanzlei nicht läuft, ist mir einfach zu hoch, ist ja schließlich meine Existenz.

Die Option, dort später einzusteigen, habe ich mir offen gehalten. Das habe ich dem RA sinngemäß mitgeteilt. Meine Entscheidung könne er voll verstehen, sagte zudem, ich soll mich auf Fall melden, wenn ich doch dort anfangen möchte.

Ausgrenzung von anderen Kolleginnen:
Ja, es beschäftigt mich immer mehr. Ich habe mit niemandem Stress, der Kontakt beschränkt sich auf „Hallo, wie gehts“. Kolleginnen neben mir, die vor mir Dienstschluss haben, gehen auch ohne „Tschüss“ zu sagen.

Ja, ich bin kein Einzelgänger.

Zum Glück ist die Stimmung in meinem Team sehr gut 😊 Aber bis zur Rente wird das nicht genügen.

Tatsächlich spiele ich mit dem Gedanken deswegen, zu gehen. Ich finde keinen Draht zu den Kolleginnen.
Was mich hier hält: Sehr guter Verdienst (4 - mehr 5 als erste Zahl/brutto/monatlich), gute Stimmung im eigenen Team (Wertschätzung), eine Art Gleitzeit.

Liebe Grüße,
Claudia
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