Wie den Chef dazu bringen mehr zu arbeiten?

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Crydea
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#11

17.05.2019, 14:35

Du musst halt abwägen, ob du mit all diesen Sachen leben kannst und weiterhin dort bleiben willst - vlt gibt es ja auch positive Aspekte - oder, ob du deine Konsequenzen aus seinem Verhalten ziehst und dir was Neues suchst. Du hast angesprochen was dich stört, es ändert sich nichts, also musst du überlegen, wie es für dich weitergehen soll.

Ich kann dich gut verstehen, ich stecke in einer recht ähnlichen Situation und habe nun nach langem Nachdenken für mich meine Konsequenzen gezogen.

LG
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booo
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#12

20.05.2019, 09:25

Herrje... Schreibt da gerade mein zweites Ich? :augenreib :augenreib

Ich rate Dir dringend zu gehen! Ich hab nun über fünf Jahre geredet und gehofft .... vergebens! Das hat mich echt fertig gemacht...

....und nun habe ich meine letzte Woche hier in der Kanzlei und bin sehr sehr sehr glücklich mit dieser Entscheidung!
...und außerdem bin jetzt offiziell fertig, weil ich inoffiziell keinen Bock mehr hab Bild
Tatjana H.
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#13

20.05.2019, 10:41

Hi,

das hört sich echt an wie bei uns... Erschreckend, dass es so Anwälte gibt, die sich anscheinend nichts aus den Haftsungsfällen, die eintreten können, machen. Bei mir sind beide RAS so. Entweder sie telefonieren stundenlang mit Mandanten, wobei nur ca. 30 Minuten die rechtliche Beratung darstellen, der Rest ist Privatgeplänkel, oder sie schieben alles vor sich her und verlängern dauernd die Fristen (ganz besonders der Junior), oder shoppen, etc. Ich bekam dann regelmäßig Herzrasen und wafr wütend, weil die Mandanten nun mal ihre Laune, warum alles so lange dauert, hier vorne bei uns auslassen.

Dann habe ich irgendwann einfach die Reißleine gezogen und mal immer pünktlich Feierabend gemacht, egal ob die Fristen erledigt waren oder nicht (solange die Erledigung nicht an mir hing sondern an den Chefs). Als die dann zwei-, dreimal selbst bis abends um acht hier gesessen und auf den Faxbericht gewartet haben und noch was per Dragon diktieren und kontrollieren und selber rausschicken mussten, haben sie gemerkt wie doof das ist mit dem "alles auf den letzten Drücker machen". Seitdem werden zumindest die Fristen früher gemacht.

Außerdem schiebe ich die Mandanten, die anrufen und sich beschweren, weil sie schon Wochen auf was warten, direkt an die Chefs. Können die sich mit rumschlagen. Ich leite das Telefonat dann einfach weiter, sage wer dran ist und lege dann auf. Am Anfang gabs da schwer Streß, weil ich einfach die Mandanten weiterleite. Hat mich aber nicht interessiert. Liegt ja nicht an mir, dass die Mandanten warten müssen, sondern am Chef und dann soll der denen das auch beibringen. Das ist ja nicht meine Schuld, wenn die sich nicht sortiert bekommen am Tag, wenn man denen schon alles so richtig hinlegt und mehrfach - auch schon Tage vorher - auf die Fristen verweist und um Bearbeitung bittet.

Wünsche Dir viel Glück, dass du das schaffst oder was tolles Neues findest. :)
218 etwaige Rechtschreibfehler sind beabsichtigt und gehören zu meinem großartigen Plan die Weltherrschaft an mich zu reißen 81

Es ist unmöglich jemanden etwas beizubringen, von dem er glaubt, das er es schon weiß.

Ich bin der Meister meines Los.
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Flauschig? Am Ar..... Ich würde dich mit einer Schaufel bürsten :haue
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#14

20.05.2019, 11:55

Tatjana H. hat geschrieben:
20.05.2019, 10:41
Hi,

das hört sich echt an wie bei uns... Erschreckend, dass es so Anwälte gibt, die sich anscheinend nichts aus den Haftsungsfällen, die eintreten können, machen. Bei mir sind beide RAS so. Entweder sie telefonieren stundenlang mit Mandanten, wobei nur ca. 30 Minuten die rechtliche Beratung darstellen, der Rest ist Privatgeplänkel, oder sie schieben alles vor sich her und verlängern dauernd die Fristen (ganz besonders der Junior), oder shoppen, etc. Ich bekam dann regelmäßig Herzrasen und wafr wütend, weil die Mandanten nun mal ihre Laune, warum alles so lange dauert, hier vorne bei uns auslassen.

Dann habe ich irgendwann einfach die Reißleine gezogen und mal immer pünktlich Feierabend gemacht, egal ob die Fristen erledigt waren oder nicht (solange die Erledigung nicht an mir hing sondern an den Chefs). Als die dann zwei-, dreimal selbst bis abends um acht hier gesessen und auf den Faxbericht gewartet haben und noch was per Dragon diktieren und kontrollieren und selber rausschicken mussten, haben sie gemerkt wie doof das ist mit dem "alles auf den letzten Drücker machen". Seitdem werden zumindest die Fristen früher gemacht.

Außerdem schiebe ich die Mandanten, die anrufen und sich beschweren, weil sie schon Wochen auf was warten, direkt an die Chefs. Können die sich mit rumschlagen. Ich leite das Telefonat dann einfach weiter, sage wer dran ist und lege dann auf. Am Anfang gabs da schwer Streß, weil ich einfach die Mandanten weiterleite. Hat mich aber nicht interessiert. Liegt ja nicht an mir, dass die Mandanten warten müssen, sondern am Chef und dann soll der denen das auch beibringen. Das ist ja nicht meine Schuld, wenn die sich nicht sortiert bekommen am Tag, wenn man denen schon alles so richtig hinlegt und mehrfach - auch schon Tage vorher - auf die Fristen verweist und um Bearbeitung bittet.

Wünsche Dir viel Glück, dass du das schaffst oder was tolles Neues findest. :)
Respekt, dass du da so rigoros bist!!! Eigentlich ist es auch genau die richtige Rangehensweise, um überhaupt mal darauf aufmerksam zu machen, wie alles so läuft. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass nicht jeder so ist wie du und das wirklich so durchzieht und vor allem, dass die Chefs daraus keine Konsequenzen ziehen!
Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen!!!
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Andy66
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#15

27.05.2019, 08:33

So einen Chef hatte ich auch mal. Der kam spät, ging früh und die Akten lagen kniehoch in seinem Büro. Letztlich kam er noch auf die Idee, dass Termine, bei denen er ein VU erwartet, ja auch durch mich wahrgenommen werden könnten ... (das war vor 1994, also schon bisserl her). Schlussendlich bin ich in die Elternzeit gegangen und nicht mehr zurückgekommen. Heute würde ich das nicht mehr mitmachen. Wie die Vorposter schon geschrieben haben, such dir was Neues. Es ist nicht deine Verantwortung, und mach sie auch nicht zu deiner. Wir haben alle irgendwo einen Helferkomplex, aber Du musst auch auf dich schauen. So viel kann der gar nicht zahlen, dass das die Nerven wert ist, die man da verbraucht.
Was man auch Gutes über uns sagen mag: Man sagt uns damit nichts Neues
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#16

27.05.2019, 12:12

Coco Lores hat geschrieben:
20.05.2019, 11:55

Respekt, dass du da so rigoros bist!!! Eigentlich ist es auch genau die richtige Rangehensweise, um überhaupt mal darauf aufmerksam zu machen, wie alles so läuft. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass nicht jeder so ist wie du und das wirklich so durchzieht und vor allem, dass die Chefs daraus keine Konsequenzen ziehen!
Aber ich sag's direkt. Das war noch anstrengender am Anfang als denen dauernd "den Hintern zu wischen".... Da musst du echt starke Nerven haben.

Ich hatte das nur schon alles mal in einem anderen Büro und wie bei Andy66 kam mein Chef damals auch auf die Idee: "Tun Sie mal so als seinen Sie die Anwältin". Da sollte ich dann Mandantentermine machen und so... Das habe ich strikt verweigert. Bin dann nach dem Mutterschutz da auch nicht mehr hin zurück.

Schreib uns, wie es bei Dir weitergeht.

Tatjana
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#17

27.05.2019, 15:07

Wenn ich sowas lese, dann frage ich mich ernsthaft, wie diese Anwälte es durch das Studium geschafft haben :augenreib :roll:
Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen!!!
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