Rechtsabteilung oder Einzelkanzlei?

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SweetCherry

#1

07.02.2019, 13:36

Hallo,

nachdem ich mich gerade erst angemeldet habe, stelle ich mich mal vor:
Ich bin 32 Jahre alt komme aus dem Raum München und arbeite momentan in einer Rechtsabteilung einer Kanzlei. Vor einiger Zeit hatte ich ein Vorstellungsgespräch bei einem Einzelanwalt, für den ich morgen Probearbeiten soll. Im Gespräch hatte sich alles nicht schlecht angehört, mehr Gehalt (was ich zuerst kaum glauben konnte beim Einzelanwalt !), 2 Tage mehr Urlaub, keine Überstunden, ABER: ich wäre halt dann alleine für einen Anwalt zuständig. Es gäbe noch eine andere ReFa, die aber für den in Bürogemeinschaft tätigen Kollegen arbeitet. Bisher war ich es gewöhnt, bei etwaigen Problemen einen "Ansprechpartner" zu haben, sprich eine Kollegin nebenan, mit der man auch mal komplexere Sachen besprechen kann. Ich weiß halt nicht, ob das mit der anderen ReFa, die für den anderen RA arbeitet, dann auch so wäre.

Nun weiß ich nicht, was besser wäre. Ich weiß, ich sollte mir das erst mal anschauen morgen, aber der Anwalt möchte dann morgen schon eine Antwort von mir haben. Kann ich ihn einfach noch um Bedenkzeit bis Montag bitten? Das Problem ist, ich müsste bis spätestens 15.02. kündigen, da er mich ab 15.03. bereits anstellen will.

Lieben Gruß
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Anahid
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#2

07.02.2019, 13:45

Die Entscheidung, was für Dich besser wäre, kann Dir keiner abnehmen. Normalerweise sollte es unter Kollegen möglich sein, sich gegenseitig bei Problemen zu helfen. Das kommt aber auf die Kollegin an. Wenn die Chemie zwischen Euch nicht stimmt, dann wird das wohl eher nichts.

Wenn Du Bedenkzeit möchtest, dann würde ich dem das sagen. Mehr als dass er nein sagt und Du den Job nicht bekommst, kann nicht passieren. Grundsätzlich würde ich erst einmal schauen, ob Du meinst, mit ihm auskommen zu können. Denn wenn er Dir schon irgendwie unsympathisch ist, hat sich das ja eh erledigt.
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Feldhamster
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#3

07.02.2019, 13:55

Wenn du dir morgen die Einzelkanzlei anschauen sollst und du bist zum 15.02. kündigen musst, sollte es mE kein Problem sein, um Bedenkzeit zu bitten. Wenn der RA dich unter Druck setzt mit einer sofortigen Entscheidung finde ich persönlich das nicht gut.
SweetCherry

#4

07.02.2019, 14:48

Ja eigentlich wollte er schon beim Vorstellungsgespräch eine Antwort haben, aber ich habe um das Probearbeiten gebeten, auch wenn es leider nur ein halber Tag ist. Aber auch da kann man sich ja schon ein Bild machen, wie es dort ungefähr abläuft. Die ReFa, für die ich nun eingestellt werde, war immerhin 7 Jahre angestellt, was ja irgendwie auch ein gutes Zeichen ist oder?
Was mich aber weiter stört ist, dass es in der neuen Kanzlei doch noch etwas veraltet zugeht - ich müsste wieder Bänder tippen und die Anwalts-Software RenoStar soll jetzt auch nicht unbedingt der Hit sein. Ich muss sagen, da bin ich bis jetzt wirklich verwöhnt, da es in der jetzigen Kanzlei alles sehr modern und fortschrittlich ist, sprich nur digitales Arbeiten u. Spracherkennung. Ich meine mit dem Bänder tippen hätte ich jetzt keine Probleme, aber wegen dem Rest, weiß nicht ...
In der bisherigen Kanzlei ist es auch so, dass man schon sehr auf Leistung getrimmt wird und des Öfteren länger arbeiten muss. In der neuen Kanzlei wäre das überhaupt nicht so. Der Anwalt meinte, Überstunden kämen so gut wie nie vor. Und auch die Probezeit könne man verkürzen auf drei Monate.
Aber wie sind eure Erfahrungen? Arbeitet ihr lieben für einen Anwalt alleine oder in einer größeren Kanzlei? Und vor allem, wie macht ihr das beim Einzelanwalt, wenn ihr mal Urlaub habt/krank seid etc.? Ist das denn nicht ein Problem?
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Lämmchen
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#5

07.02.2019, 15:22

Ich habe irgendwie das Gefühl, dass Du mit Deinem jetzigen Arbeitgeber nicht so zufrieden bist, aber der neue für Dich jetzt erst mal auch nicht der Hit ist. Ich würde mir das Ganze einfach anschauen und notfalls weitersuchen. Offenbar musst Du ja nicht wechseln, sondern willst es und es gibt ja - gerade momentan - bei weitem nicht nur die zwei Optionen.

Ansonsten: Ich brauche auch Kollegen (ich verzichte hier bewusst mal auf den Gender-Mist) um mich rum und würde mich wohl in einer Einzelkanzlei nicht wirklich wohl fühlen. Schon alleine die Frage der Vertretung bzw. wenn man mal eine Frage hat, lässt mich zu einer größeren Kanzlei/Rechtsabteilung tendieren.
Liebe Grüße

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#6

07.02.2019, 15:26

Ich sehe ganz viele Zweifel in Deinen Beiträgen.

Mach doch mal eine Pro und Contra-Liste, was Du jetzt an Deinem Arbeitgeber hast. Geld ist nicht alles, sondern man muss auch ein Stück zufrieden sein. Vielleicht solltest Du doch nochmal weiter schauen. Denn es sollte ja vieles passen und wenn Du jetzt schon Bauchweh hast, dann würde ich mir das nochmal gut überlegen. Die Entscheidung kann Dir aber keiner abnehmen. Und dass es keine Überstunden gibt, erzählen sie oft und dann wenn man angestellt ist, ist plötzlich alles anders, da wäre ich vorsichtig. Wie meine Vorredner auch schon sagten, finde ich es merkwürdig, dass er Dich schon jetzt so unter Druck setzt. Klar er braucht anscheinend jemanden, aber so geht das auch nicht. Ich glaube ich würde die Finger davon lassen. Ich persönlich würde auch immer etwas Größeres vorziehen. Alleine für einen Anwalt arbeiten , wo auch keine anderen Teammitglieder sind, würde für mich nicht in Frage kommen. Ich war nach meiner Ausbildung bei einer Zweier-Kanzlei. Jeder Anwalt hatte seine Refa, aber wenn Not am Mann war, hatte man immer jemand, der mit angepackt hat, wenn es mal drunter und drüber ging. Wenn man krank war, war man halt krank, aber das kam bei uns nicht so oft vor. Es gab aber immer eine Vertretung und von daher würde ich schon nicht für einen Anwalt allein arbeiten wollen.
Liebe Grüße

Sylvia

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SweetCherry

#7

07.02.2019, 15:38

Naja die ReFa des anderen Anwalts wäre halt zur Not noch da, naja und die Frau meines "künftigen" Chefs, aber die macht eigentlich nur Buchhaltung und hat ReFa auch gar nicht gelernt.
Wahrscheinlich bin ich echt schon verwöhnt, denn vor einem Monat hatte ich auch ein auf den "ersten Blick" tolles Angebot, aber im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass es das doch nicht war. Da habe ich alles richtig gemacht, dass ich abgesagt habe. Aber nun stehe ich wieder an diesem Punkt und bin unsicher. Und im Vorstellungsgespräch hört sich ja auch immer alles anders an, als es dann letztlich ist.
Aber ich schaue mir das Ganze morgen mal an und sage einfach, dass ich bis Montag darüber nachdenken möchte.
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#8

07.02.2019, 15:41

Uiui, ich habe gar keine guten Erfahrungen, wenn die Ehefrau als Nicht-ReFa in der Kanzlei mit rumwuselt....war ich froh, als ich aus der Kanzlei damals weg war...
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#9

07.02.2019, 16:03

Ach bei mit ging das. In der Zweier-Kanzlei war auch die Frau vom Chef da. Die hat das Material bestellt und das Archiv geführt. Wir kamen gut miteinander aus. Ist nicht immer schlecht.
Liebe Grüße

Sylvia

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#10

07.02.2019, 16:04

Habe leider wenig Zeit, aber n kurzen Kommentar kann ich abgeben....
SweetCherry hat geschrieben:
07.02.2019, 14:48
Die ReFa, für die ich nun eingestellt werde, war immerhin 7 Jahre angestellt, was ja irgendwie auch ein gutes Zeichen ist oder?
Nein ist es nicht. Ich bin jetzt das sechste Jahr hier...
...weil ich aber hier nicht wegkomm und nicht, weil es "soooooo toll" ist :oops:
SweetCherry hat geschrieben:
07.02.2019, 14:48
Aber wie sind eure Erfahrungen? Arbeitet ihr lieben für einen Anwalt alleine oder in einer größeren Kanzlei? Und vor allem, wie macht ihr das beim Einzelanwalt, wenn ihr mal Urlaub habt/krank seid etc.? Ist das denn nicht ein Problem?
Es ist zum Teil schon echt toll die Hauptkraft zu sein.. Vorteil ist zB, dass ich hier wirklich über alles den Überblick hab, da ich sowohl die Post/Aktenbearbeitung mach, als auch die Kanzleibuchhaltung inkl. der Gehälter.

"Nachteile" gibts eigentlich nur bei Abwesenheit durch Krankheit / Urlaub und das Gehalt ist meistens auch weniger...
Muss mich urlaubsmäßig an den Chef halten, damit ich da bin, wenn er weg ist (Betriebsurlaub gibts nicht) und wenn ich nicht da bin, macht sonst keiner meinen Mist - das ist zum Teil wirklich doof

Ich habe zwar eine 450-EUR-Kraft, die mich etwas unterstützt, aber dennoch fehlt mir ab und zu der Tratsch und das Diskutieren und Ratschlagen mit Kollegen... Ich möchte - trotz des zT familiären Verhältnisses - nicht wieder in eine Einzelkanzlei, auch wenn ich hier teils ne schöne Zeit habe/hatte.

Viel Erfolg bei Deinem Gedankenwirrwarr ;) !
...und außerdem bin jetzt offiziell fertig, weil ich inoffiziell keinen Bock mehr hab Bild
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