Zu großer Druck bzw. zu hohe Erwartungen?

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BlackWoman

#1

31.03.2017, 12:08

Hallo zusammen,
ich habe mal eine Frage, in unserer Kanzlei waren bis jetzt ich und eine Kollegin (halbtags) angestellt. Nun hat die Kollegin gekündigt, sodass ich jetzt hier alleine bin. Im August bekommen wir dann noch eine Azubine - meine erste bisher. Ich bin ehrlich gesagt total unsicher, was da alles auf mich zukommt, denn in unserer Kanzlei (3 Anwälte) wird schon sehr viel erwartet, sodass man ständig unter Druck steht. Selbst Aufgaben, die eigentlich ein RA machen müsste, werden als ganz selbstverständlich angesehen. Wenn man dann mal eine solche Aufgabe nicht zu ihrer Zufriedenheit erledigt, ist das natürlich das große Drama und man steht hinterher als "dumm" da. Ich fühle mich daher manchmal ein wenig überfordert und zweifle dann sogar an meinen Fähigkeiten. Ich habe übrigens auch schon das Gespräch mit einem Vorgesetzten gesucht, jedoch schaltete der auf Durchzug; auch die übrigen RAe wollen hiervon nichts hören.
Ich habe einfach Angst davor, das alles nicht mehr zu schaffen, weil die ganze Verantwortung einfach an mich abgegeben wird. :roll:
Daher würde ich einfach gerne mal eure Meinungen dazu hören. Was würdet ihr in solch einer Situation machen?
LG
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Laska
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#2

31.03.2017, 12:46

Hallo,

habe ich dich richtig verstanden, dass du alleine für 3 Anwälte arbeitest? :augenreib
Liebe Grüße

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AliceImWunderland
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#3

31.03.2017, 12:49

Auch wenn sich das jetzt hart anhört, aber meiner Meinung nach hilft nur noch die Flucht nach vorne. Suche dir eine andere Stelle, in der Hoffnung, dass es dort besser wird. Du bist eine begehrte Fachkraft und wirst keine Schwierigkeiten haben, eine neue Stelle zu finden. Und was ich bisher von dir im Forum gelesen habe, hast du auch einiges auf dem Kasten.

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass man die Vorgesetzten leider nicht "erziehen" kann. Die sind wie die sind. Und wenn du jetzt mit deinem Chef redest und eine Besserung deiner Position durchboxt, dann bleibt trotzdem dieser fade Beigeschmack. Und dieser wird dich die nächsten Jahre begleiten. Wenn die Chefs auf Durchzug schalten und dein Anliegen nicht ernst nehmen, dann haben sie dich nicht verdient. Die denken sich wahrscheinlich, du würdest nur herumzicken und nehmen dich nicht für voll. Die sitzen die Sache aus und hoffen, dass du dich mit deiner Situation irgendwann abgefunden hast. Und jemand der seinen Arbeitnehmer die ganze Zeit nur ausnimmt und kein offenes Ohr für seine Probleme hat, der wird sich so schnell nicht ändern. Die Erfahrung habe ich schon oft gemacht.

Du kannst jetzt natürlich versuchen, jahrelang um Verbesserungen in deinem Job hart zu kämpfen, wo jeden Abend dein letzter Gedanke vor dem Einschlafen und jeden Morgen dein erster Gedanke nach dem Aufstehen deinem Job gilt. Oder du kannst deine Gesundheit schonen und dich nach einer neuen Stelle umschauen, bevor du einen Magengeschwür bekommst. Du hast ja keine Eile. Du hast ja jetzt einen Job und kannst dich in Ruhe umschauen, bis sich eine geeignete Stelle findet.
Warum ist am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig?!

Ich habe kein Whatsapp und ich werde auch keins bekommen. Ich stehe auf Datenschutz und bin voll Threema.
:naegel
Pitt
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#4

31.03.2017, 12:54

Ich kann auch nur für mich sprechen: Ich würde in so einer Situation verlangen, dass entweder wieder eine ausgebildete Kraft eingestellt wird oder mir was anderes suchen. 3 Anwälte + Azubi und das Ganze in Teilzeit ist meiner Meinung nach nicht zu schaffen, selbst wenn man technisch noch so gut ausgestattet ist. Da kann man eigentlich nur scheitern. Wenn die Chefs das nicht einsehen, dann tut es mir leid, aber dann sollen die auch die Suppe auslöffeln, die sie sich selbst eingebrockt haben.
BlackWoman

#5

31.03.2017, 13:01

Ja 3 Anwälte. Da kann es schon mal vorkommen, dass man mal was übersieht oder vielleicht auch Fehler macht. Das ist hier aber ein totales No-Go. Das darf einfach nicht passieren.
Dass man sich abmüht und ständig Überstunden macht, wird leider auch nicht gesehen. Ich mag meinen Job an sich ja - nur so derzeit nicht.
Und bzgl. eines Wechsels habe ich schon oft nachgedacht - aber man kann ja auch nicht immer gleich das Handtuch schmeißen, wenn es mal etwas schwieriger wird oder?
Und übrigens soll die Halbtagskraft dann nicht "ersetzt" werden, ihre Aufgaben soll dann einfach ich noch übernehmen. :roll:
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#6

31.03.2017, 13:36

BlackWoman hat geschrieben:Und bzgl. eines Wechsels habe ich schon oft nachgedacht - aber man kann ja auch nicht immer gleich das Handtuch schmeißen, wenn es mal etwas schwieriger wird oder?
Und übrigens soll die Halbtagskraft dann nicht "ersetzt" werden, ihre Aufgaben soll dann einfach ich noch übernehmen. :roll:
Also ganz ehrlich, dass hat mit Handtuch werfen nichts zu tun. Aber Du weißt ja schon was auf Dich zukommt und sich auch nichts ändern wird, zumal wenn die Halbtageskraft nicht ersetzt wird. Ich habe auch meinen Job in einer großen Bank aufgegeben, weil ich da auch mit zwei Teilzeitmamis (nichts gegen Mütter, aber die hatten gerade Kinder, die frisch in die Kita gekommen sind und dann sind die halt mehr Zuhause) sitzen sollte und der Job mir eh nicht zugesagt hatte.(Ich wurde da einfach hingesetzt, weil mein alter Job wegrationalisiert wurde). D.h. ich hätte als einzige Vollzeitkraft auch alles allein machen dürfen und damit wäre ich nicht klar gekommen. Ist jetzt zwar eine andere Situation, aber dennoch ähnlich. Ich kann mich hier nur AliceimWunderland anschließen, wenn Deine Gedanken sich irgendwann nur noch um die Arbeit drehen, dann hat es einfach keinen Wert mehr. Und so wie ich es verstanden habe, bekommt Du für Deine Arbeit auch keinerlei Wertschätzung. Gibt sicher noch mehr Anwälte, die da besser sind.

Zieh die Notbremse, bevor es zu spät ist.
Liebe Grüße

Sylvia

173



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#7

31.03.2017, 13:41

Für drei Anwälte alleine arbeiten und dann noch einen Azubi ausbilden, das geht gar nicht. Wir sind hier in der guten Position, dass für eine RAin und Notarin eine Vollzeitkraft und ich mit 30 Stunden arbeiten.

Man soll sicherlich nicht gleich den Kopf in den Sand stecken, aber das würde ich mir nicht antun, zumal von der Chefetage signalisiert wird, dass eine Änderung des Personalschlüssels nicht gewünscht ist.

Ich habe damals in einer anderen Kanzlei meinen Chef auch vor die Wahl gestellt, dass sich entweder etwas ändert, oder dass ich kündigen werde. Es kam damals dann so, dass ich schwanger wurde ;)

In der heutigen Zeit denke ich, dass du sicherlich auch einen anderen Job bekommen könntest. Bewirb dich doch einfach mal und schau mal, was dabei raus kommt. Ist sicherlich auch gut für das eigene Selbstbewusstsein.

Ein schönes und entspanntes Wochenende.
Gruß Anja
_________________________

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BlackWoman

#8

31.03.2017, 13:49

Naja ich dachte mir, dass sich das "Problem" vielleicht sowieso bald erledigt, weil ja dann doch in absehbarer Zeit auch mal das Thema Kinder ansteht. Und darum zögere ich, mich woanders zu bewerben, denn man will ja nicht irgendwo neu anfangen, und dann z. B. bereits nach 6 Monaten verkünden, dass man jetzt schwanger ist. Das wäre doch dem neuen Arbeitgeber total unfair gegenüber, wie ich finde.
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#9

31.03.2017, 14:04

BlackWoman hat geschrieben:Naja ich dachte mir, dass sich das "Problem" vielleicht sowieso bald erledigt, weil ja dann doch in absehbarer Zeit auch mal das Thema Kinder ansteht. Und darum zögere ich, mich woanders zu bewerben, denn man will ja nicht irgendwo neu anfangen, und dann z. B. bereits nach 6 Monaten verkünden, dass man jetzt schwanger ist. Das wäre doch dem neuen Arbeitgeber total unfair gegenüber, wie ich finde.
Das finde ich von Dir wirklich hochanständig. So denkt wirklich kaum jemand. Egoismus ist nämlich eigentlich doch total IN heutzutage. :applaus

Aber mal ehrlich.....Du weißt nicht, wann Du schwanger werden wirst. Das kann schnell gehen, dass kann auch Jahre dauern. Und wenn Du vor hast schwanger zu werden, dann darf ich Dir mitteilen, dass ein Stress, wie Du ihn beschreibst, mehr als abträglich ist für die Chance einer Schwangerschaft.

Unabhängig davon ist es doch so, dass dann, wenn Dir die neue Stelle gut gefallen sollte, es mit Sicherheit Möglichkeiten gibt, sich da zu arrangieren. Also zieh ruhig mal die Egoismus-Karte und such Dir was Neues. ;)
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#10

31.03.2017, 14:34

Anahid hat geschrieben:
BlackWoman hat geschrieben:Naja ich dachte mir, dass sich das "Problem" vielleicht sowieso bald erledigt, weil ja dann doch in absehbarer Zeit auch mal das Thema Kinder ansteht. Und darum zögere ich, mich woanders zu bewerben, denn man will ja nicht irgendwo neu anfangen, und dann z. B. bereits nach 6 Monaten verkünden, dass man jetzt schwanger ist. Das wäre doch dem neuen Arbeitgeber total unfair gegenüber, wie ich finde.
Das finde ich von Dir wirklich hochanständig. So denkt wirklich kaum jemand. Egoismus ist nämlich eigentlich doch total IN heutzutage. :applaus

Aber mal ehrlich.....Du weißt nicht, wann Du schwanger werden wirst. Das kann schnell gehen, dass kann auch Jahre dauern. Und wenn Du vor hast schwanger zu werden, dann darf ich Dir mitteilen, dass ein Stress, wie Du ihn beschreibst, mehr als abträglich ist für die Chance einer Schwangerschaft.

Unabhängig davon ist es doch so, dass dann, wenn Dir die neue Stelle gut gefallen sollte, es mit Sicherheit Möglichkeiten gibt, sich da zu arrangieren. Also zieh ruhig mal die Egoismus-Karte und such Dir was Neues. ;)
Hier muss ich Anahid voll zustimmen.

Ich habe damals auch gewechselt und habe dann noch ein Jahr gewartet, dass wir überhaupt damit beginnen, dass ich schwanger werde, weil ich genauso gedacht habe wie Du. Und dann hat es nochmal 8 Monate gedauert bis ich dann wirklich schwanger war. Sicherlich gibt es die, die die Verhütung absetzen und es klappt gleich, aber dies ist nicht immer so. Und mit solchem Stress auf Arbeit wird es da sicherlich auch nicht einfacher.

Such Dir lieber jetzt etwas Neues, dann könntest Du noch ein paar Monate warten und dann die Schwangerschaft in Angriff nehmen. Wenn Du jetzt deswegen wartest, dann bist Du in zwei Jahren vielleicht immer noch nicht schwanger und hast aber dafür ein Magengeschwür oder andere Probleme.
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