Von der Großkanzlei zur Staatsanwaltschaft

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.Pipa.
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#1

06.03.2026, 17:42

Hallo,

ich bin hin und hergerissen. Arbeite aktuell in einer Wirtschaftskanzlei und unser großmandat wird ca. Ende des Jahres oder in 1 Jahr enden. Ich könnte bei der Staatsanwaltschaft anfangen, aber ich habe soviel negatives gehört über die Arbeit beim Gerichr. In meiner Kanzlei fühle ich mich sehr wohl, arbeite seit 6 Jahren dort und die Arbeit ist wirklich einfach (arbeite selbständig im Mahn- und Zwangsvollstreckungsverfahren) und habe keinen nervigen RA im Rücken. Die Kollegen sind auch super und ich kann immer pünktlich gehen. Die Urlaubsplanung ist auch problemlos. Würde die Abteilung sich nicht auflösen, würde ich auch bleiben, obwohl das Gehalt nicht wirklich gut ist, aber ich fühle mich dort halt wirklich wohl.

Nun hätte ich die Chance bei der Staatsanwaltschaft anzufangen, aber weiß nicht, ob ich’s riskieren soll 😢. Ist jemand von der Kanzlei zum Gericht? Habt ihr das bereut?
Feldhamster
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#2

06.03.2026, 18:22

Ich selbst habe mal einen Abstecher in die Rechtsabteilung eines Klinikums gemacht. Das war nicht meins und ich habe noch in der Probezeit gekündigt und bin in eine Kanzlei zurück.

Eine Freundin hingegen ist von einer Kanzlei zum Gericht gewechselt und ist dort glücklich.

Im Endeffekt muss jeder für sich selbst entscheiden.

Hast du mit der jetzigen Kanzlei schon mal geredet, ob du anderweitig dort eingesetzt werden kannst?
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Adora Belle
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#3

06.03.2026, 18:49

Unsere ReFA-Azubi ist nach dem Abschluss in die StA gewechselt. Ich besuch sie manchmal wenn ich in Moabit unterwegs bin. Glaub sie ist da sehr zufrieden.
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#4

06.03.2026, 19:53

Adora Belle hat geschrieben:
06.03.2026, 18:49
Unsere ReFA-Azubi ist nach dem Abschluss in die StA gewechselt. Ich besuch sie manchmal wenn ich in Moabit unterwegs bin. Glaub sie ist da sehr zufrieden.
Weiß du was sie dort verdient?
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#5

06.03.2026, 19:54

Feldhamster hat geschrieben:
06.03.2026, 18:22
Ich selbst habe mal einen Abstecher in die Rechtsabteilung eines Klinikums gemacht. Das war nicht meins und ich habe noch in der Probezeit gekündigt und bin in eine Kanzlei zurück.

Eine Freundin hingegen ist von einer Kanzlei zum Gericht gewechselt und ist dort glücklich.

Im Endeffekt muss jeder für sich selbst entscheiden.

Hast du mit der jetzigen Kanzlei schon mal geredet, ob du anderweitig dort eingesetzt werden kannst?
Bis jetzt hieß es nur, die Abteilung löst sich auf und wir werden dann halt verteilt, aber was konkretes jetzt nicht…
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mücki
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#6

10.03.2026, 08:21

Naja, ich glaube, da kann die keiner einen Rat geben. Für den einen funktioniert so ein Wechsel, für den anderen nicht. Die Frage die du dir stellen solltest lautet, ob du dir für dich vorstellen kannst, mit der Arbeit bei Gericht glücklich zu sein.

Ich meine gute oder schlechte Kollegen kann man überall antreffen, daran würde ich mich bei einem Wechsel nicht festhalten. Außerdem gibt es ja auch andere Möglichkeiten als zum Gericht zu gehen.

Wenn es dir in der Kanzlei so gut gefällt, würde ich erstmal in Erfahrung bringen, was die vorhaben, also z.B. in welcher Abteilung sie dich sehen etc., bevor ich eine Entscheidung treffe.
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Pitt
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#7

10.03.2026, 09:49

Ich sehe das wie mücki. Wenn Du an deinem aktuellen Arbeitsplatz glücklich bist, weil das Umfeld stimmt, dann ist das viel wert. Wenn es jetzt um die Frage geht, ob Du aufgrund der Ungewissheit, wie es nach dem Weggang des Großmandates für Dich in der Kanzlei weitergeht, den Arbeitgeber wechselst, würde ich zunächst Kontakt mit der Geschäftsleitung suchen, um zu klären, ob Deine und die Vorstellungen der Geschäftsleitung für die zukünftige Zusammenarbeit noch zusammenpassen oder nicht. Ich denke, es ist auch gut, wenn die Geschäftsleitung von Dir direkt hört, was Dir an deiner aktuellen Position gefällt und was Du von einer zukünftigen Position erwartest bzw. welche Abteilung/Tätigkeiten für Dich nicht infrage kommen.

Ob die Arbeit bei der Staatsanwaltschaft das Richtige ist, hängt auch davon ab, ob man in der Lage ist, Akten mit emotionalen Abstand zu bearbeiten und nach Feierabend abzuschalten. Ich habe fast vier Jahre lang Strafrecht gemacht, darunter auch einige Fälle, die wirklich nicht ohne waren und wenn man z. B. Obduktionsberichte, Tatort- und Unfallfotos, Briefe von Selbstmördern auf dem Tisch/Bildschirm bekommt, dann braucht man ein dickes Fell. Wenn man natürlich in eine Abteilung der Staatsanwaltschaft arbeitet, die sich nur mit Wirtschaftsdelikten befasst, ist das alles kein Thema. Ich denke aber, dass man diesen Punkt in die Überlegungen mit einfließen lassen sollte.
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