#Fallsupervision – Personal Training für alle Kanzleimitarbeiter

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Man muss nicht alles alleine bewältigen können. Man sollte aber wissen, in welchen Fällen Personal Training, Sparring und die Unterstützung eines Fall-Supervisors hilfreich sind.

Die Arbeit in einer Kanzlei ist durchaus herausfordernd. Wer kennt sie nicht: schwierige Mandanten, komplexere Sachverhalte, herausfordernde Kollegen, plötzlicher Vertretungsbedarf im Krankheitsfall, verbesserungsfähige Kommunikationsgewohnheiten. Fristen und Termine tun ihr Übriges.

Diese Umstände sind ein Stück weit normal und lassen sich nicht vermeiden. Sie können aber dazu führen, dass die Konzentration, die gute Laune und auch die persönliche Leistungsfähigkeit sinken. Die Arbeit wird als belastend empfunden.

Wie wäre es aber, wenn es einen Sparrings- und Trainingspartner geben würde, der sich ganz auf die Mitarbeiter einstellt, um sie zu unterstützen, wenn sie es alleine nicht schaffen,

1) der die Mitarbeiter bei herausfordernden beruflichen Situationen begleitet

Beispiele:

  • Veränderungsprozesse in der Kanzlei stehen an
  • die Digitalisierung stellt erhöhte Anforderungen an die Mitarbeiter
  • neue Mitarbeiter sind ins Team gekommen
  • erfahrene Mitarbeiter haben das Team verlassen
  • eine Kollegin wechselt die Rolle und wird Teamleiterin

2) der zur Verfügung steht, um Themen und belastende Situationen zu besprechen und zu klären, bevor sie wachsen und ein Problem werden

Beispiele:

  • die Atmosphäre im Team hat sich – nicht zum Besseren – verändert
  • Teamleiter und Team arbeiten nicht wirklich gut zusammen
  • die Unterstützung eines Ausbilders wird als nicht ausreichend empfunden
  • die Kolleginnen sind seit kurzem abweisend

3) der Mitarbeitern dabei helfen kann, aus „schiefgegangenen“ Situationen zu lernen,

Beispiele:

  • sich anbahnende oder bereits offene Konflikte im Team
  • mit Vorgesetzten oder Ausbildern
  • die Aufarbeitung und das Lernen aus Sachverhalten, die zu Haftungen und Regressen geführt haben.

Es gibt diese Trainings- und Sparringspartner, die auch zu Ihnen in Ihre Kanzlei kommen und einzelne Mitarbeiter, Auszubildende, Teams oder die gesamte Kanzlei unterstützen, wenn Klärungsbedarf besteht. Das sind Fall-Supervisorinnen und Fall-Supervisoren.

Haben Sie schon davon gehört? Falls nicht, macht nichts. Was tun Fall-Supervisorinnen und Fall-Supervisoren für Sie?

# Fallsupervision für Kanzleimitarbeiter, Teamleiter und Kanzleimanager

Fall-Supervisoren sind diejenigen, die Kanzleimitarbeiter, Teamleiter und Kanzleimanager auf dem Weg zu leichterem und professionellerem Arbeiten begleiten und unterstützen können.

Hierbei bietet die Fall-Supervision die Chance, die zur Supervision gestellte berufliche Situationen (den „Fall“) und ihre (Hinter-)Gründe besser zu verstehen und besser entscheiden zu können, wie man damit umgeht. Der Teilnehmende hat die Möglichkeit, eine für ihn selbst passende Lösung für seine berufliche Situation zu finden, die er als Fall schildert.

Das gilt sowohl für jeden Einzelnen, der in einer Kanzlei arbeitet, aber auch für das Team. Fall-Supervisionen im Team sind eine gute Gelegenheit, die Arbeit zu reflektieren und positiv zu verändern. Besonders Auszubildende profitieren, da sie in der Fall-Supervision ihren eigenen Lösungsansatz finden und entscheiden, wie sie jetzt am besten damit umgehen.

Der Fall-Supervisor kann bei einem konkreten Thema als Sparringspartner unterstützen, aber auch – wenn dies gewünscht und sinnvoll ist – die Kanzlei, einzelne Teams, Teamleiter oder Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum begleiten, bis gute Ergebnisse erzielt worden sind.

Wie muss man sich das vorstellen?

# Wie läuft eine Fall-Supervision ab?

Eine Fall-Supervision läuft – ähnlich einer Mediation – in Abschnitten ab, den sog. Phasen:

  1. Phase – Vorbereitung

Der Supervisor / die Supervisorin erläutert den Ablauf der Fall-Supervision. Alle sollen verstehen, was eine Fall-Supervision ist und was sie erwartet. Es werden hierbei auch Regeln, die wichtig sind, besprochen und vereinbart. Nur dann kann die Fall-Supervision gelingen. Besonderheiten werden berücksichtigt.

Wichtig ist, dass die Fall-Supervision vertraulich ist. Was in der Fall-Supervision besprochen wird, bleibt dort auch. Sollte es erforderlich sein, Ergebnisse oder Erkenntnisse weiterzugeben, muss hierüber eine Einigung – insbesondere mit dem Fallgeber – erzielt werden.

Wenn alle Beteiligten mit den vereinbarten Regeln und dem geplanten Ablauf der Fall-Supervision einverstanden und hierzu bereit sind, kann die Fall-Supervision beginnen.

  1. Phase – Falldarstellung des Fallgebers

Zunächst werden die zur Fall-Supervision anstehenden beruflichen Fälle gesammelt und verhandelt, welche Fälle in welcher Reihenfolge supervidiert werden.

Der Fallgeber formuliert zwei Supervisionsfragen, zu denen er im Rahmen der Supervision Antworten finden möchte: eine objektive Frage an den Fall und eine subjektive Frage, die ihn selbst betrifft.

Sodann schildert der Fallgeber seinen Fall. Der Supervisor und die anderen Teilnehmer der Supervision können im Anschluss Verständnisfragen stellen.

  1. Phase – Hypothesenbildung

Der Supervisor und die Teilnehmenden bilden für den Fallgeber Hypothesen zu seinem Fall. Die Hypothesen beziehen sich dabei auf die Fallfragen, die der Fallgeber in Phase 2 formuliert hat und auf die er eine Antwort finden möchte. Bezugspunkte für Hypothesen können die Beteiligten des Falls, der Fallgeber selbst, die Umstände, die Arbeitsabläufe oder andere Punkte sein, die die Teilnehmenden wichtig finden. Die Teilnehmenden schöpfen dabei bei der Formulierung ihrer Hypothesen zum Fall aus ihren eigenen Erfahrungen und der Lebenserfahrung. Der Fallgeber notiert sich diese Hypothesen und sucht am Ende dieser Phase die Hypothesen aus, die ihn besonders ansprechen.

  1. Phase – Entwicklung von Lösungsvorschlägen

Der Supervisor und die Teilnehmenden bieten dem Fallgeber Lösungsmöglichkeiten an. Die Lösungsmöglichkeiten können sich auf alle Aspekte des geschilderten Falles beziehen. Der Fallgeber schöpft dabei aus den Erfahrungen, die die Teilnehmenden und der Supervisor zur Verfügung stellen. Der Fallgeber entscheidet sich am Ende dieser Phase für eine oder mehrere der vorgeschlagenen Lösungen.

  1. Phase – Entscheidung des Fallgebers

Der Fallgeber entscheidet mit Blick auf seine eingangs gestellten Fragen, ob die Fall-Supervision ihm genügend Erkenntnisse gebracht hat, dass er seine berufliche Situation besser verstanden hat und die Möglichkeit für sich sieht, was er jetzt am besten – aus seiner Sicht – tun kann.

# Welchen Nutzen haben die Mitarbeiter, Teamleiter und Kanzleimanager?

Die Fall-Supervision erweitert die Wahrnehmung des Einzelnen und des Teams (bei Fall-Supervision im Team), „was los ist“. Sie bietet Möglichkeiten, professioneller mit beruflichen Schwierigkeiten umgehen zu können und zu entscheiden, welche Vorgehensweise die bestmögliche ist. Fall-Supervision macht Verbesserungsmöglichkeiten in Arbeitsabläufen sichtbar und dient der Verbesserung der Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit.

Sand im Getriebe löst sich auf. Die Arbeit geht leichter von der Hand und macht wieder mehr Spaß.

# Welchen Nutzen hat die Kanzlei?

Die Fall-Supervision führt zu mehr Zufriedenheit, Motivation und Kreativität der Mitarbeitenden. Die Personalverantwortlichen werden entlastet. Das Potential, Arbeitsabläufe zu verbessern, wird sichtbar. Die Kontinuität im Team und das „Know-How“ der Mitarbeiter werden geschützt. Durch das mit der Fall-Supervision verbundene Training und Sparring werden die MitarbeiterInnen hinsichtlich ihrer inneren Kraft (Resilienz) tatsächlich fitter. Es bleibt den geschäftsführenden Partnern mehr Zeit für die Entscheidungen, die die Strategie und den Erfolg der Kanzlei betreffen.

Fall-Supervision ist eine sehr gute Investition in die MitarbeiterInnen und die Kanzlei. Aber auch die Konfliktkosten werden gesenkt.

# Welche Voraussetzungen muss man für eine Fall-Supervision erfüllen?

Die Voraussetzungen für eine Fall-Supervision sind leicht zu erfüllen:

Die Teilnehmenden sind bereit dazu. Der personalverantwortliche Partner befürwortet die Fall-Supervision als Einzelsupervision oder als Team-Supervision und bewilligt ein Budget. Eine gemeinsame Zeit für die Fall-Supervision kann gefunden werden. Ein Supervisor / eine Supervisorin wird eingeladen.

# Wie lange dauert eine Fall-Supervision?

Die Zeit, die man für eine Fall-Supervision vorsehen sollte, ist abhängig von der Größe des Teams und den anstehenden Themen. Sie kann vereinbart werden.

# Was kostet eine Fall-Supervision?

Üblich ist ein Stundenhonorar nebst Auslagen, das verhandelt werden kann. Die Kosten für eine Fall-Supervision im Team trägt normalerweise die Kanzlei.

Es ist aber auch möglich, dass Sie die Kosten einer Fall-Supervision selbst übernehmen, wenn es um ein berufliches Thema geht, das Sie für sich gerne klären möchten.

# Können auch Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen Fall-Supervision nutzen?

Ja, selbstverständlich.

Der nachstehende Beitrag erläutert die Vorteile der Fall-Supervision für Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen:

Fall-Supervision – Wettbewerbsvorteil für Rechts- und Syndikusrechtsanwälte (m/w/d)

in: KammerMitteilungen der Rechtsanwaltskammer Düsseldorf, 2/2019 vom 30.06.2019, S. 47 ff

# Sie wollen ihre berufliche Situation verbessern und suchen einen Fall-Supervisor als Personal Trainer und Sparringspartner?

Weitere Informationen finden Sie hier oder direkt über

Dr. Michaela Theißen,

Rechtsanwältin und Mediatorin, Wirtschaftsmediatorin,

Master of Mediation (MM), Supervisorin (mediationsanaloge Fall-Supervision)

 

Carl Heinrich Knoche & Partner Partnerschaftsgesellschaft von Rechtsanwälten mbB,

Feldstraße 11a, 40479 Düsseldorf,

t_+49 (0)211 – 4 93 19 27, f_+49 (0)211 – 4 92 01 92, m_+49 (0)163 2134 780,

e_info@carl-und-partner.de, w_www@carl-und-partner.de

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Dr. Michaela Theißen ist Partnerin der Kanzlei Carl Heinrich Knoche & Partner Partnerschaftsgesellschaft von Rechtsanwälten mbB in Düsseldorf. Sie ist Rechtsanwältin und Mediatorin, Wirtschaftsmediatorin, Master of Mediation (MM). Sie hat langjährige Erfahrung mit Konflikten, Konfliktstrategien und Konfliktlösungen im beruflichen und wirtschaftlichen Umfeld und kennt die Herausforderungen der Arbeit in einer Kanzlei gut. Dr. Michaela Theißen hat ihr Tätigkeitsfeld um die Fall-Supervision (mediationsanalog) erweitert. Die Fallsupervision kann zusätzlich hilfreich bei der Arbeit in Kanzleien und Notariaten sein, sowohl für Rechtanwälte und Notare, aber genauso für Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte und Rechtsanwalts- und Notarfachwirte. Dr. Michaela Theißen publiziert in den Bereichen Wirtschaftsrecht, Mediation und Fall-Supervision.