Das Netz

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In dem isländischen Kriminalroman „Das Netz“ gibt es drei Hauptpersonen:

Sonja, geschieden, kämpft verzweifelt mit ihrem Ex-Ehemann Adam um das Sorgerecht des Sohnes Tómas. Getarnt als Businessfrau schmuggelt Sonja wöchentlich Kokain über den Flughafen Keflavik von Dänemark und England nach Island. Sie meint, dies sei die einzige Möglichkeit schnell an viel Geld zu kommen.  Sie will ihrem Sohn ein schönes Zuhause bieten und somit auch wieder das Sorgerecht zurückbekommen. Aber sie beginnt ein hochriskantes Spiel mit den gefährlichen und brutalen Dealern, die ihre erfolgreiche Drogenkurierin nicht aufgeben wollen.

Agla ist auch kein unbeschriebenes Blatt. Sie steht unter Anklage, weil sie in einem Wertpapierskandal zur Zeit der großen isländischen Wirtschaftskrise (2008-2011) verwickelt war. Sie hatte illegal große Summen ins Ausland über verschiedene Investmentfonds verschoben. Sie verliert ihren Job, wird mehrfach von der Staatsanwaltschaft verhört, schließlich verhaftet und angeklagt. Der Druck der Ermittlungen gegen sie und die Konflikte in der Beziehung zu Sonja veranlassen Agla, ihre Sorgen täglich mit großen Mengen Alkohol zu ertränken.

Bragi ist Zollbeamter am Flughafen Keflavik. Er steht kurz vor seiner Rente, seine Frau ist dement und lebt in einem Pflegeheim.  Bragi wird auf Sonja am Flughafen aufmerksam, weil sie einfach nach seiner langen Berufserfahrung zu perfekt für eine Businessfrau aussieht. Sein Gespür sagt ihm, er sollte diese Frau weiter beobachten. Und tatsächlich kommt er ihrem Drogenschmuggel auf die Schliche. Und er gerät schließlich selbst in Versuchung.

Ich muss zugeben, dass ich mich am Anfang dieses Krimis etwas schwer tat. Vielleicht lag es daran, dass die Personen der Handlung nicht unbedingt Sympathieträger sind. Alle legen eine nicht unerhebliche kriminelle Energie an den Tag. Vielleicht aber auch an dem relativ ruhigen Beginn des Romans, der aber zur Mitte hin deutlich Fahrt aufnimmt und am Ende sehr spannend wird.

Die handelnden Personen finden sich nach und nach, ohne es anfangs richtig zu merken, in einem Netz aus Kriminalität, Rache, Verzweiflung, Angst, Eifersucht und Geldgier wieder. Alles starke Gefühle, die unweigerlich in die Katastrophe führen müssen. Uns Lesern ergeht es ähnlich, denn langsam spinnt die Autorin (mit dem unaussprechlichen isländischen Namen) ein Netz um uns, in dem sie uns fängt, aus dem wir freiwillig allerdings auch gar nicht raus wollen. Denn die Situationen um die Romanfiguren spitzen sich dramatisch zu und wir wollen schlicht wissen, wie es endet. Die Wende am Schluss kommt plötzlich und ist überraschend.

„Das Netz“ ist der erste Teil der Island-Triologie. Band 2 ist „Die Schlinge“, Teil 3 „Der Käfig“. Alle Bände sind bereits lieferbar. Zum Glück, denn man will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Als kurzweilige Urlaubslektüre kann ich auf jeden Fall eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.


Lilja Sigurðardóttir, Das Netz
DuMont Buchverlag

Taschenbuch, 10,00 €, 978-3-8321-6519-2
E-Book, 8,99 €, 978-3-8321-7014-1